Würzburg

Wie lange reicht sie noch?

Die gesetzliche Rente steckt in einer Krise. Auftakt zu einer Debatte über ihre Zukunft

Rente
Der Blick auf die Zahlen verheißt künftigen Rentner-Generationen nichts Gutes. Foto: dpa

Menschen können die Gesetze der Mathematik nicht verändern. Sie können aber die Augen vor der Realität verschließen. Eine Zeitlang nicht genau hinschauen, abwarten, nichts oder zu wenig tun. Sich einreden, alles sei auf gutem Weg.

Doch irgendwann spricht jemand über des Kaiser's nackte Kleider. Der Monatsbericht der Bundesbank über die Perspektiven der Rentenversicherung in Deutschland könnte in Panik versetzen, wenn das Land nicht schon weitgehend von Gretas Klimaphobie ergriffen wäre.

Die Analyse rechnet vor, dass die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu leistenden Rentenbeiträge bereits in den 30er Jahren von 18,6 auf 24 und bis 2070 gar auf 31 Prozent steigen, das Versorgungsniveau der Rentner aber von derzeit festgeschriebenen 48 schrittweise auf dann nur noch 40 Prozent ihres letzten Einkommens absinken und Steuermittel aus dem Bundeshaushalt in Höhe von derzeit 3,3 Prozent der Bruttowertschöpfung, aktuell rund 84 Milliarden Euro, auf dann mindestens 4,5 Prozent zugeschossen werden müssen.

Erhöhung des Rentenalters bis 2031

Um diesem Horrorszenario zu entgehen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Das bis 2031 auf 67 Jahre festgeschriebene Renteneintrittsalter auf mindestens 69, wenn nicht gar 73 Jahre erhöhen und jedem freizustellen, so lange zu arbeiten, wie er mag, oder die Steuern drastisch zu erhöhen und beispielsweise die Mehrwertsteuer von 19 auf mindestens 23,5 Prozent anzuheben. Denn die Lebenserwartung wird stetig weiter steigen. Ginge es nach der Bundesbank, so sollte das Renteneintrittsalter daran gekoppelt werden.

Doch die große Koalition hat sich in populistischer Manier erst noch mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle gegönnt und eine „doppelte Haltelinie“ eingeführt: Bis 2025 darf der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent fallen. An Deck der Klima-Panik-Titanic spielt die Kapelle „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“ (Udo Jürgens), Augen zu und durch und nach uns die Sintflut. Denn 2025 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente.

Zuvor soll aber noch eine kostenträchtige neue Grundrente draufgesattelt werden. Doch das aktuell dank der guten – aber bereits im Abklingen befindlichen – Konjunktur über ausreichende Finanzmittel verfügende System steht schon morgen vor dem Kollaps. Werden dann die Beitragssätze erhöht und wird weiter an der Steuerschraube gedreht, so sinken unweigerlich die Nettolöhne, während gleichzeitig die Arbeitskosten für die Unternehmen steigen. Auf dem Weg vom verantwortlich handelnden Sozial- in den unseriös wirtschaftenden Wohlfahrtsstaat sind dem Kaiser die prachtvollen Kleider abhandengekommen. Verpfändet und verzehrt. Ohne und mit zu wenigen Kindern ist kein Sozial- und erst recht kein Wohlfahrtsstaat zu machen. Auch Demografie ist Mathematik.

Es braucht ein Gesamtkonzept mit renten-, aber auch familien- und steuerpolitischen Maßnahmen

Wenn aber zusätzlich Sparbücher und Lebensversicherungen dank der desaströsen europäischen Geldpolitik keine Zinsen bringen, wenn Überbürokratisierung und eine progressive Überbesteuerung die Lohnzuwächse auffressen, wenn sich schon die Mittelschicht kein Wohneigentum mehr leisten kann und bereits die Grunderwerbssteuersätze den Weg dazu verbauen und wenn Kinderreichturm der sichere Weg in Armut ist, dann steht der ausgeplünderte Bürger im Alter vor dem Nichts.

Eine Zeitlang wird sich der Deckel auf diesem siedenden Topf noch halten lassen; doch soziale Unruhen können die Demokratie zusätzlich gefährden und das Gemeinwesen aus der Balance bringen. Da auch nach Auffassung der Kanzlerin alles mit allem zusammenhängt, ist es nun geboten, entsprechend den vorliegenden Erkenntnissen auch zu handeln. Dazu braucht es den Mut, ein Gesamtkonzept mit renten-, aber auch familien- und steuerpolitischen Maßnahmen zu entwickeln.