Kolumne: Vom Reichtum der Kirche

Von Karlies Abmeier

Karlies Abmeier. Foto: privat
Karlies Abmeier. Foto: privat

Das Thema Kirche und Geld erfreut sich hoher Aufmerksamkeit. Sei es die Aufdeckung von Finanzskandalen oder die Mitteilung von Rekordsummen, die mittels Kirchensteuern oder Staatsleistungen in kirchliche Kassen gespült worden seien. Im politischen Raum sind es vor allem Laizisten verschiedener Parteien, die die Abschaffung der Staatsleistungen und – wenn auch seltener – der Kirchensteuer verlangen. Als Kronzeuge wird gern Papst Benedikt XVI. mit seiner Freiburger Rede von 2011 zitiert, in der er eine „Entweltlichung“ der Kirche und eine Lösung von Privilegien forderte. Auch der Wunsch von Papst Franziskus nach einer „armen Kirche für die Armen“ wird in Anspruch genommen. Was bedeuten diese Papstworte für die reiche deutsche Kirche?

Die biblischen Zeugnisse sind nicht eindeutig. Im Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr muss der reiche Jüngling erkennen, dass er Jesus nicht bedingungslos nachfolgen kann. Der Anspruch Jesu bleibt, aber die Theologie erkennt an, dass das asketische Leben charismatischer Wanderprediger nur einer kleinen Minderheit, nicht dem Gros der Gesellschaft möglich ist. Der Reichtum König Salomos wird nicht in Frage gestellt. Wirtschaftlicher Erfolg sicherte immer auch die Existenz der Kirche. Reiche Frauen unterstützten Jesus und seine Jünger. Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten zeigt, dass Vermögen genutzt werden soll. Allerdings wird der Mammon, den der Verwalter einsetzt, um Unterstützer zu finden, als „ungerecht“ charakterisiert. „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon.“ Geld darf nicht im Mittelpunkt des Strebens stehen und an die Stelle Gottes treten. Es muss Mittel sein, um das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe zu erfüllen. Wie wird die deutsche Kirche diesem Anspruch gerecht?

Das Lob Gottes kann sich auf verschiedene Weise zeigen: in musikalischen Kompositionen und Chören, in Gemälden, Werken der bildenden Kunst, Architekturdenkmalen, Kathedralen und in Museen. Es manifestiert sich auch in einem lebendigen kirchlichen Leben. Seine Förderung bedarf einer einladenden Infrastruktur. Sie findet Ausdruck in einer angemessenen ordentlichen Bezahlung der Mitarbeiter, die das Wort Gottes verkünden und für seinen Dienst begeistern. Seelsorge, Gottesdienste und der Unterhalt von Kirchengebäuden gehören ebenso zum kirchlichen Auftrag. Sie werden aus Kirchensteuern bestritten – wie auch Kunst und Musik als Vermittler geistlicher Erfahrungen.

Vor allem gilt das Gebot der Nächstenliebe, der Sorge für die Armen und Benachteiligten. Hier blickt die Kirche auf eine lange Tradition der Sozialverkündigung zurück: als Anwalt der Armen und in praktischer fürsorgender Arbeit. Gerade in den letzten Monaten haben die Kirchen in der Flüchtlingshilfe Herausragendes geleistet und zusätzliche Gelder und Wohnraum bereitgestellt. Die christliche Haltung der Helfenden motiviert viele Menschen, Notleidende zu unterstützen und ehrenamtlich tätig zu werden. Kirchliche Hilfswerke bieten Gelegenheiten für ein solches Engagement auch für jene, die sich nicht (mehr) eng der Kirche verbunden fühlen. Beispiele aus dem Ausland zeigen: Eine arme Kirche ist strukturell zu solchen Hilfeleistungen nicht fähig. Wenn sie allein auf Spenden angewiesen ist, fehlt es häufig an qualifiziertem Personal für die Pastoral und für karitative Werke.

Nicht zuletzt wegen des humanitären Einsatzes der Kirchen und ihres Beitrags zum gesellschaftlichen Zusammenhalt sind Kirchensteuern gut angelegtes Geld, von dem Staat und Gesellschaft profitieren. Ohne Christen, ohne ihr Engagement und ohne ihr Geld sähe unser Land anders aus.

Die Autorin ist Leiterin des Teams Religions-, Integrations- und Familienpolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung.