Mönchengladbach

Kolumne: Ökologie und Soziales

Das Klimapaket der Bundesregierung steht in der Diskussion. Während die einen die Maßnahmen nicht für ausreichend halten, um dem Klimawandel effektiv entgegenzutreten, bemängeln die anderen soziale Härten.

Matthias Belafi
Matthias Belafi ist Politikwissenschaftler und Referatsleiter in einer obersten Landesbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen.Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle. Foto: Frankenhauser

Das Klimapaket der Bundesregierung steht in der Diskussion. Während die einen die Maßnahmen nicht für ausreichend halten, um dem Klimawandel effektiv entgegenzutreten, bemängeln die anderen soziale Härten. Hier wird bereits die zunehmende gesellschaftliche Spaltung sichtbar. Die Rigorosität, die derzeit beim Klimaschutz eingefordert wird, polarisiert. Das ist schon deshalb bedauerlich, da die Notwendigkeit des Klimaschutzes von wenigen Unbelehrbaren abgesehen unbestritten ist.

Man mag –auch von kirchlicher Seite – Greta Thunberg und den Protest von „Fridays for Future“ für prophetisch halten. Prophetisches Reden hat ja auch seinen Platz in der Breite der kirchlichen Verkündigung. Prophetie ist jedoch keine Kategorie der Sozialethik, der es um gerechte Strukturen geht. Für nachhaltige Lösungen beim Klimaschutz wird man prophetische Ansätze nicht zur Richtschnur machen können. Denn gut gemeint ist nur das Gegenteil von gut gemacht.

Klimaschutz unter wirtschaftlichen und sozialen Aspekten

Dem globalen Klimaschutz werden wir nicht dienen, wenn in wenigen Ländern Maximalforderungen durchgesetzt werden, die wir finanziell vielleicht sogar noch stemmen können, die meisten anderen, weniger wohlhabenden Länder aber nicht. Dem Klimaschutz werden wir nur dienen, wenn wir ihn mit wirtschaftlichen und sozialen Aspekten in Ausgleich bringen. Nur dann ist er tatsächlich nachhaltig und globalisierbar. Nur ein ökonomisch und ökologisch erfolgreiches Modell wird Länder, die sich heute Klimaschutzmaßnahmen verweigern, zu stärkerem Engagement ermuntern. Und der Schutz des Klimas ist zweifelsohne eine Aufgabe, die nur global bewältigt werden kann.

Dieses Plädoyer für Lösungen, denen sich auch andere Länder anschließen können, bedeutet keinesfalls, die Hände in den Schoß zu legen. Selbstverständlich muss Deutschland, muss Europa wie bereits in der Vergangenheit bei der Bewahrung der Schöpfung mutig vorangehen. Allerdings haben wir schon innerhalb der EU Überzeugungsarbeit zu leisten. Und wir müssen auch in unserem eigenen Land Mehrheiten für einen stärkeren Klimaschutz gewinnen. Wir werden all dies nicht mit radikalen Forderungen und Maßnahmen erreichen, sondern mit einem Kurs des Maßes und der Mitte.

Zu Recht wird die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus als ein Meilenstein der kirchlichen Sozialverkündigung angesehen, weil zum ersten Mal die Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt eines päpstlichen Lehrschreibens steht. Die zentrale These von „Laudato si“ ist jedoch, dass Umwelt und Soziales nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, sondern zusammengedacht werden müssen.

In geradezu apokalyptischer Art und Weise den Klimaschutz über alles zu stellen und dabei die Konsequenzen für Wirtschaft, Soziales und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auszublenden, mag kurzfristigen Stimmungen entsprechen, ist aber nicht langfristig erfolgreich. Es bedarf vielmehr einer konsequent ökologischeren Ausrichtung unserer Sozialen Marktwirtschaft, die sowieso auf Nachhaltigkeit hin angelegt und deshalb im Grunde schon eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft ist.