Geltende Standards werden unterlaufen

Lohndumping über Leiharbeit weit verbreitet

Duisburg (DT/KNA) Wie die Firma Schlecker drücken nach einer Studie auch viele andere Unternehmen, kirchliche Pflegeeinrichtungen und Wohlfahrtsverbände über Leiharbeitsfirmen Lohn und Arbeitsbedingungen. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Universität Duisburg-Essen gründeten viele Unternehmen in den vergangenen Jahren eigene Zeitarbeitsunternehmen, um geltende Standards zu unterlaufen. „Nicht selten kehren dieselben Beschäftigten auf diesem Wege auf ihren früheren Arbeitsplatz zurück – nur für weniger Geld und zu schlechteren Arbeitsbedingungen“, erklärte die Forschungsdirektorin am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Claudia Weinkopf. Solche Praktiken gibt es in fast allen Branchen, wie es hieß.

Nach Ergebnissen der Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hatten bis 2007 gut sieben Prozent aller Unternehmen mit betrieblicher Interessenvertretung eine solche interne Zeitarbeitsfirma gegründet; im Bereich von Banken und Versicherungen sogar mehr als neun Prozent. Im Unterschied zum Schlecker-Fall betreffe dies meist aber nur einen Teil der Gesamtbelegschaften. Laut Studie ist die Praxis nicht illegal. Zwar müssten Zeitarbeitsunternehmen ihren Kräften die wesentlichen Arbeits- und Entgeltbedingungen gewähren, die im Betrieb des Kunden gelten. Das Gesetz sehe aber eine Ausnahme vor, wenn Tarifverträge für die Leiharbeit abgeschlossen worden seien. Diese Ausnahmeklausel sei inzwischen zur Regel geworden und gelte für 95 Prozent der Leiharbeitskräfte.

Die Einstiegslöhne lägen aktuell zwischen 6,15 und 6,50 Euro in Ost- sowie zwischen 7,35 und 7,51 Euro in Westdeutschland. Damit seien sie weitaus niedriger als in vielen tarifgebundenen Betrieben in anderen Branchen. Begünstigt werde diese Praxis dadurch, dass seit 2003 die zeitliche Begrenzung des Einsatzes von Leiharbeitskräften in einem Entleihbetrieb aufgehoben wurde. Wirksam unterbunden werden könnte Lohndumping durch Leiharbeit nur, wenn tarifliche Abweichungen vom Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nicht mehr möglich wären.