Ausländische Pflegekräfte

Warum mit einer Ausbildung in Deutschland alle Seiten Gewinn erzielen. Von Robert Luchs

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In Deutschland wächst der Bedarf an qualifizierten Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegekräften. Grund ist unter anderem die demografische Entwicklung. Foto: dpa
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In Deutschland wächst der Bedarf an qualifizierten Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegekräften. Grund ist unter andere... Foto: dpa

Die Nachfrage nach ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern steigt rasant, doch das Angebot in Deutschland ist knapp. Was liegt daher näher, als sich im Ausland umzusehen. Seit nunmehr vier Jahren gewinnen und qualifizieren die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen des Programms Triple Win Pflegekräfte aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und den Philippinen für den deutschen Arbeitsmarkt. Seit März ist Tunesien als viertes Land in das Programm aufgenommen worden. Über Triple Win werden die begehrten Kräfte vorbereitet und bei ihrer Integration am Arbeitsplatz unterstützt – bis hin zur Anerkennung der ausländischen Abschlüsse in Deutschland.

Am 31. Juli wurde nun in München die tausendste Pflegekraft, die über das Programm vermittelt werden konnte, begrüßt. Jannette Dela Cruz stammt von den Philippinen und ist ausgebildete Krankenpflegerin. Nach der sprachlichen und kulturellen Vorbereitung nimmt sie ihre Tätigkeit in einer Einrichtung der Altenpflege des Caritasverbandes München auf. In den Ländern, die am Triple Win-Projekt teilnehmen, gibt es einen Überschuss an gut ausgebildeten Fachkräften, die keine adäquate Beschäftigung in ihrem Herkunftsland finden. Triple Win, also dreifacher Nutzen für die Pflegekräfte, für die Herkunftsländer und Deutschland.

In Deutschland wächst der Bedarf an qualifizierten Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegekräften. Grund ist unter anderem die demografische Entwicklung. „Natürlich versuchen wir, auch die inländischen Reserven zu mobilisieren und bei jungen Leuten für eine Ausbildung im Pflegebereich zu werben. Andererseits brauchen wir die ausländischen Kräfte und wollen diesen Menschen auch dauerhaft eine gute Perspektive bieten“, erläutert Raimund Becker, Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit. Zudem profitieren die Länder von den finanziellen Rücküberweisungen der Pflegekräfte. Insbesondere mit den Philippinen gibt es eine jahrzehntelange enge Zusammenarbeit im Bereich der Krankenpflege.

An erster Stelle steht, Arbeitsmigration fair und nachhaltig zu gestalten“, betont Maja Bernhardt, Leiterin des Projekts bei der GIZ. Triple Win diene arbeitsmarkt- und entwicklungspolitischen Zielen. Zuwanderung könne nur dann erfolgreich sein, wenn nicht nur die Integration in den Arbeitsmarkt gelinge, sondern auch in das gesellschaftliche Umfeld. Bereits in der Heimat werden Sprach- und Vorbereitungskurse durchgeführt, damit die Menschen sich in Deutschland sprachlich, kulturell und fachlich gut zurechtfinden. Andererseits können die Arbeitgeber damit rechnen, gut vorbereitete und qualifizierte Arbeitskräfte zu erhalten.

Doris Schneider, Geschäftsführerin Altenheime im Diözesan-Caritasverband kann dies nur bestätigen: „Die Zusammenarbeit mit dem Projekt Triple Win ist eine hervorragende Möglichkeit, motivierte Fachkräfte zu gewinnen, die schon im Herkunftsland auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Die komplexen Abstimmungen mit den Behörden in beiden Ländern wird für uns durch die kompetenten Partner deutlich vereinfacht, und wir können von den vielfältigen Erfahrungen profitieren“. Inzwischen beschäftigt der Diözesan-Caritasverband 33 ausländische Pflegekräfte, die er über das Programm Triple Win gewonnen hat.

Mit Tripl Win bieten BA und GIZ ein umfassendes Leistungspaket für deutsche Arbeitgeber an: von der Auswahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber über die sprachliche Vorbereitung in der Heimat und die Unterstützung bei Formalitäten wie die Beantragung von Visa bis hin zum Anerkennungsverfahren in Deutschland und der Integrationsbegleitung vor Ort – insgesamt ein langer und aufwändiger Prozess.

Nach mittlerweile vier Jahren Programmlaufzeit ist Triple Win etabliert und spricht sich in der Pflegebranche immer mehr herum. Inzwischen konnten weitere namhafte Organisationen wie beispielsweise die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) als Partner gewonnen werden. Auch international wird die Pflegevereinbarung gelobt und von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und dem Internationalen Gewerkschafsbund (PSI) als „Best Practice“ gewürdigt. Ein Bericht der Vereinten Nationen geht speziell auf die Kooperation zwischen Deutschland und den Philippinen ein und lobt diese als Best Practice. Interessierte Arbeitgeber, so die Bundesagentur in Nürnberg, haben jederzeit die Möglichkeit, an dem Programm teilzunehmen.