Berlin

Kolumne: Digital zahlen - Segen oder Fluch?

Patrick Sensburg
Patrick Sensburg ist CDU-Bundestagsabgeordneter für den Hochsauerlandkreis.

Das kontaktlose Zahlen mit einer GiroCard wird immer populärer, da es den Zahlvorgang vereinfacht und beschleunigt. Nur die Karte an das Lesegerät halten und schon hat man die schönen Produkte gekauft. Provider, wie PayPal und Payback Pay, oder auch Apps, wie Google Pay und Apple Pay, bieten das Bezahlen mittels Handys, unserem ständigen Begleiter, schon längst an. Den nächsten Schritt plant beispielsweise Facebook mit einer eigenen virtuellen Währung namens „Libra“, welche sich an bisher bestehenden digitalen Zahlsystemen, wie etwa dem Bitcoin-Zahlungssystem, orientieren soll. Das klingt ja alles erst einmal sehr verlockend. Wer jedoch Bedenken anmeldet, wird schnell als „Digital Immigrant“ und technikfern abgestempelt. Doch was machen „virtuelle“ Bezahlsysteme und neue Kryptowährungen mit unserer Gesellschaft, der Wirtschaft und unserem Verhältnis zu Werten?

Umgang mit Geld erlernen

Eigentlich wünschen wir uns, dass schon in jungen Jahren ein Gefühl für Werte und ein guter Umgang mit Geld erlernt werden. Die seit Ewigkeiten geführte Diskussion, in welchem Alter welche Höhe des Taschengeldes angemessen ist, zeigt das exemplarisch auf. Auch hier ist die schwäbische Hausfrau ein Vorbild. Durch digitale Zahlsysteme wird dies aber konterkariert. Die Selbstkontrolle über das eigene Vermögen nimmt erkennbar ab. Das steigert sich, wenn auch noch über charmante Apps, wie Facebook, bezahlt wird, wodurch der Verlust des Realitätsbezuges dramatisch vorangetrieben wird. Virtuelle Punkte von Spielen auf dem Handy verschwimmen mit den virtuellen Währungen und vielleicht noch der Banking-App, wenn es diese bald überhaupt noch gibt. Facebook möchte ja die Banken in Zukunft überflüssig machen. War es im letzten Jahrtausend noch das Ziel, aus vielen Währungen eine Währung zu machen, um die Menschen auf unterschiedlichen Ebenen näher zusammenzuführen, werden die Kryptowährungen in Zukunft aus dem Boden schießen. Jeder Digitalkonzern kann eine Währung auflegen. Entscheidend sollte aber die Realwirtschaft sein und nicht das Spekulieren mit Währungen. Fragen der Sicherheit bleiben zudem weitgehend unbeantwortet oder werden mit dem Verweis auf die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie vom Tisch gewischt. Nach alledem muss man sich fragen, wieso man von bewährten Bezahlsystemen und Währungen abweichen soll.

Es geht um durchaus mehr als Geld

Der Grund sind nicht die Menschen, sprich die Kunden, sondern es ist die Gewinnoptimierungsmöglichkeit der Konzerne. Es geht um durchaus mehr als Geld, es geht um den völligen Zugriff auf unsere Daten bis hin zu unserem Geld. Ein ganzes System der staatlichen und privaten Banken soll auf die digitalen Konzerne überführt werden, um dann den Nutzer völlig „aussaugen“ zu können. Die EU muss nun schnell klare Regelungen für digitale Zahlungssysteme und Kryptowährungen schaffen. Die digitale Welt muss den Menschen dienen und nicht als Instrument für Konzerne fungieren. Nur am Rande sei bemerkt, dass es auch nicht die Aufgabe von privaten Unternehmen ist, neue Währungen zu erschaffen, sondern von Staaten oder Staatengemeinschaften. Dies ist letztendlich auch eine moralische und ethische Bewertung.

Patrick Sensburg
Patrick Sensburg ist CDU-Bundestagsabgeordneter für den Hochsauerlandkreis.