Faire Renditen erzielen

Der seit 1997 amtierende Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank, Norbert Wolf, erklärt im Gespräch mit der Tagespost seine Motivation zum verstärkten Engagement im Ethik-Banking. Von Thomas Emons

Norbert Wolf ist Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank. Foto: SEB

Herr Wolf, wie lässt sich in Zeiten der 0-Zins-Politik mit guten Werken Geld verdienen?

Auch wenn die Nullzins-Politik Sparer und Banken trifft, gibt es immer noch gute Möglichkeiten, faire Renditen zu erzielen. Schließlich besteht Bankgeschäft nicht nur aus Sparanlagen, sondern umfasst auch viele andere Bereiche, allen voran den Bereich der Wertpapieranlage.

Was bedeutet die Neuausrichtung für Ihre Bank? Welche Herausforderungen sind damit verbunden? Was gab den Anstoß zur Neuausrichtung?

Die Steyler Ethik Bank richtet sich neu aus, indem sie die Arbeitsbereiche, die mit der Anlage in Wertpapiere zu tun haben, unter der neuen Marke Steyler Fair Invest bündelt. Die Steyler Fair Invest gehört natürlich weiterhin zur Steyler Ethik Bank. Wir versprechen uns aber von dem neuen Markennamen eine Signalwirkung. Wir wollen einfach unterstreichen, dass wir ein Spezialist für nachhaltige Geldanlagen sind. Aufgrund unseres christlichen Profils investieren wir eigene und Kundengelder also nur in Anlagen, die strenge soziale und ökologische Kriterien erfüllen. Gleichzeitig erweitern wir das Angebot an Dienstleistungen.

Wo und wie finden Sie Ihre Kunden für faire und nachhaltige Investments?

Als christliche Bank sprechen wir natürlich viele Kunden aus dem kirchlichen Umfeld an. Aber eben auch nachhaltig orientierte Anleger. Man merkt einfach, dass Nachhaltigkeit auf dem Weg aus der Nische ist. Immer mehr Kunden fragen danach, welche Wirkungen ihre Investitionen hervorrufen. Ethisch-orientierte Anleger akzeptieren es nicht, dass ihr Geld in Rüstungsunternehmen oder andere kontroverse Geschäftsfelder fließt.

Ist das Anlagerisiko höher als bei herkömmlichen Banken?

Nachhaltigkeitskriterien gelten eher als risikomindernd. Daher ist das Anlagerisiko natürlich nicht höher als bei herkömmlichen Banken.

Konnten Sie als Ethik-Bank nach der Lehman-Pleite 2008 und der nachfolgenden Finanz- und Wirtschaftskrise vom Vertrauenslust der konventionellen Banken profitieren oder wurden Sie in Mitleidenschaft gezogen?

Als nachhaltige Bank haben wir festgestellt, dass viele Menschen nun bewusst zu uns kommen, weil sie eine Bank suchen, die ehrlich und transparent arbeitet.

 

Hintergrund: Fair Invest

„Nein zur neuen Vergötterung des Geldes. Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen“, postuliert Papst Franziskus in seinem am 24. November 2013 veröffentlichten Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“.

Dafür, dass Geld kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck ist und damit Menschen beteiligt, statt sie auszuschließen, stehen auch die weltweit 10 000 Steyler Missionare mit ihrer 1964 gegründeten Steyler Ethik Bank.

Die Bank betreut aktuell 208 Treuhandstiftungen und insgesamt 15 200 Kunden mit einer Gesamteinlage von 480,8 Millionen Euro. Damit konnte das Bankinstitut im Jahr 2017 eine Bilanzsumme in Höhe von 288,8 Millionen Euro erwirtschaften.

Jetzt baut die Bank den Geschäftsbereich Fair Invest aus, in dem Kunden mit ihren Einlagen Geld in nachhaltig und ethisch einwandfrei wirtschaftende Unternehmen lenken und so mit den Gewinnen ihrer Bank auch ganz konkrete Hilfsprojekte der Steyler Missionare unterstützen und so Lebensperspektiven schaffen können.

Neben den Fairen Investments bietet die christliche Privatkundenbank weiterhin ihre klassischen Finanzdienstleistungen, wie Girokonten, Vermögensverwaltung und Stiftungsberatung an.