Leitartikel: Papst in USA: Ein voller Erfolg

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT
Oliver Maksan. Foto: DT

Der Doppelbesuch des Papstes auf Kuba und in den USA ist zuende. Man darf getrost von einem spektakulären Erfolg sprechen. Von den Peripherien einer überlebten kommunistischen Ideologie auf Kuba ist der Pontifex in die politischen und kulturellen Zentren der vitalen Supermacht Amerika gereist. Dabei hat Franziskus gezeigt, dass er beides kann: Ränder und Mittelpunkt. Den Kirchen beider so unterschiedlicher Länder hat er eine Botschaft hinterlassen, die sicher dem jeweiligen Kontext angepasst war, aber im Kern doch auf eines hinauslief: Geht mutig voran und vor allem hinaus, um das Evangelium zu verkünden. Das bedeutet unter den Bedingungen einer Diktatur etwas anderes als in einem Land, das historisch auf der Religionsfreiheit gegründet ist. Mut und Glauben erfordert es aber in beiden Fällen. Der katholischen Kirche in Kuba und in Amerika, aber auch den Völkern beider Länder hat der Papst mit seinem Besuch einen Schatz in Wort und Tat hinterlassen. Es ist an ihnen, ihn jetzt zu heben.

Während Kuba sozusagen von vornherein als sichere Bank galt, hatte es anfangs Bedenken gegeben, wie der Papst in den USA ankommen würde. Er, der Lateinamerikaner, der Argentinier, der die USA noch nie besucht hatte, der Kapitalismus- und Konsumkritiker im Land des freien Marktes. Die Beliebtheitswerte des Papstes waren seit der Wahl 2013 denn auch spürbar nach unten gegangen, vor allem bei den Amerikanern, die politisch eher rechts tendieren. Es zeigte sich aber, dass der Papst – offenbar war er auch gut beraten worden – jetzt den richtigen Ton traf. Amerika erlebte einen Papst, der die Größe des Landes lobte und anerkannte, Amerika gleichzeitig aber an seiner eigenen Größe maß. Dass das ankam, zeigten wieder nach oben gehende Beliebtheitswerte. Franziskus entzog sich den gängigen amerikanischen parteipolitischen Schablonen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche steht insgesamt quer zum amerikanischen Links-Rechts-Schema, mag es in Einzelfragen auch mehr politische Kongruenz mit dieser oder jener Seite geben. Der Papst trat prophetisch und kulturkritisch nach rechts wie links auf.

Anlass seines USA-Besuchs war das Weltfamilientreffen. Dieses darf als wertvolle geistliche Vorbereitung auf die Familien-Synode betrachtet werden, die im Oktober im Vatikan stattfindet. Die katholische Familie lebt, aber sie braucht Unterstützung: Dieses Signal sandten die hunderttausenden Paare aus, die an dem Treffen teilnahmen. In Philadelphia feierte der Papst eine Institution, die als lebensspendende Verbindung von Mann und Frau Ort der Offenbarung Gottes ist. Er machte jungen Menschen Mut, das Wagnis einer im Glauben geschlossenen Ehe einzugehen und verkündete ihnen das Evangelium.

Gewiss hätten sich manche gewünscht, der Papst hätte die ideologischen Angriffe auf die Familie und das Leben mit noch deutlicheren Worten zurückgewiesen. Er hat dies in Kuba getan, auch im US-Kongress und vor der UNO, wenn auch teilweise in eher impliziter Weise. Insgesamt blieb der Papst seiner Linie treu, vor allem herauszustellen, wofür die Kirche ist. Wogegen sie aufgrund ihres Glaubens ist, scheint für Franziskus hinreichend bekannt und erst vor dem Hintergrund einer positiv entfalteten Lehre von Ehe und Sexualität überhaupt verständlich zu sein.