Kommentar: Heimliches Einvernehmen

Regierungssprecher Steffen Seibert hat nichts Falsches gesagt, als er behauptete, es würden keine Bodentruppen nach Syrien geschickt. Sie sind nämlich schon da. Von Jürgen Liminski

Bundeswehr-Einsätze im Nahen Osten
Deutschland hat in Syrien bereits einen gewichtigen Beitrag zur Vertreibung der Terroristen-Miliz „Islamischer Staat“ geleistet. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Washington ist nicht blind. Ja, es gibt vermutlich keine Regierung, die so gut über die mageren militärischen Möglichkeiten Deutschlands informiert ist wie die amerikanische. Man weiß in Washington auch sehr gut, dass Deutschland in Syrien bereits einen gewichtigen Beitrag zur Vertreibung der Terroristen-Miliz „Islamischer Staat“ geleistet hat. Und zwar nicht nur durch Luftaufklärung von Jordanien aus, sondern auch am Boden mit eigenen Soldaten. Es sind die „geheimen Krieger“ des Kommandos Spezialkräfte (KSK), eine Elite-Einheit, die zusammen mit ähnlichen Einheiten aus Frankreich, Großbritannien und den USA den Kurden geholfen hat, den IS niederzuringen und auch mit verhindert hat, dass türkische Truppen weiter in den Nordosten Syriens vorgedrungen sind.

Deutschland setzt seine Luftaufklärung fort und bildet im Irak weiter aus

Warum also nun die Bitte der Amerikaner an Berlin, auch Bodentruppen nach Nordostsyrien zu entsenden? Die Antwort kam rasch. Berlin werde keine Bodentruppen entsenden. Man wolle, so Regierungssprecher Seibert, „die bisherigen Maßnahmen möglichst fortführen“. Damit dürfte Washington zufrieden sein. Denn das bedeutet, dass die KSK-Einheiten bleiben. Ferner, dass Deutschland seine Luftaufklärung fortsetzt und auch die Ausbildung im Irak beibehält. Und natürlich werden die Deutschen auch zivile und finanzielle Unterstützung bei der Stabilisierung und dem Wiederaufbau in der von Kurden dominierten Region leisten. Dieses heimliche Einvernehmen macht es Trump möglich, von den 2 000 US-Soldaten einige Hundert medienwirksam vor den US-Wahlen im nächsten Jahr abzuziehen. Auch Islamistenfreund Erdogan wird weiter in Schach gehalten.

Über geheima Krieger redet man nicht

Soll man Seibert deshalb der Lüge bezichtigen? Bismarck meinte, es werde nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd. Seibert hat nichts Falsches gesagt, es werden keine Bodentruppen nach Syrien geschickt. Sie sind schon da, aber über geheime Krieger redet man nicht. Über die anderen Fragen zur Zukunft Syriens wird man sich mit Amerikanern, Briten und Franzosen und übrigens auch mit den Russen schon handelseinig werden.