Kommentar: Ein Bruch, der zu heilen ist

Von Guido Horst

Guido Horst. Foto: DT
Guido Horst. Foto: DT

Es ist eine Begegnung, die nicht nur in Rom für Gesprächsstoff sorgt: Am Samstag hat der Papst den Oberen der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, empfangen. Franziskus nutzte dafür den geschützten und nicht ganz offiziellen „Raum“, den er geschaffen hat und der ihm wichtig ist: Das Gästehaus Santa Marta, in dem er wohnt, in dessen Kapelle er morgens predigt und wo er schon mit manchem Gast abseits des Protokolls vertraulich gesprochen hat. Nur eine kurze Bestätigung gab es gestern vom Vizesprecher des Vatikans, Greg Burke: Fellay war beim Papst, nähere Informationen über die Begegnung gab es nicht.

Dennoch ist sie von Gewicht. Franziskus, dem bisweilen der Ruf eines fortschrittlichen Reformers vorauseilt, würde die Piusbrüder lieber heute als morgen wieder mit der Kirche vereint und versöhnt sehen. Das passt nicht ganz in das Bild, das sich manche vom ersten Jesuitenpapst der Geschichte machen. Aber Tatsache ist, dass Jorge Mario Bergoglio schon als Erzbischof von Buenos Aires freundschaftliche Kontakte zu den Anhängern Erzbischofs Lefebvre unterhielt. Das hielt dann auch, als die Bruderschaft Schwierigkeiten mit der Aufenthaltsgenehmigung ihrer ausländischen Patres bekam und Franziskus seinen Nachfolger anwies, die Piusbrüder körperrechtlich als Teil seiner ehemaligen Diözese anzuerkennen, was die formalrechtlichen Probleme der Bruderschaft löste.

Schon als Erzbischof hatte sich Kardinal Bergoglio als treuer Sohn Papst Benedikts gezeigt und den Lefebvrianern nach dem Erscheinen von „Summorum pontificium“ einen Ort für die Feier der „alten“ Messe zugewiesen. Eine endgültige Aussöhnung zwischen katholischer Kirche und Piusbruderschaft ist zum Greifen nah – wenn es nach Franziskus geht. Im Heiligen Jahr hat der Papst allen Gläubigen erlaubt, bei Priestern der Bruderschaft zu beichten. Was müssen die Anhänger Lefebvres tun? Sie müssen bereit sein, ihr „Alleinstellungsmerkmal“ als vermeintlich einzige rechtgläubige Gliederung der Kirche aufzugeben. Das dürfte einem Teil von ihnen schwer fallen.