Leitartikel: Neue Generation, gewandelte Mentalität

Die Frühjahrsversammlung der Bischöfe zeigt einen Generationswechsel: Junge Bischöfe sind unpolitischer und weniger charismatisch. Von Regina Einig
Regina Einig -  Redakteurin - Kirche aktuell, Bildung "Die Tagespost"
Foto: Margarete de Selliers Würzburg

Selten hat die binnenkirchliche Großwetterlage die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe stärker in Beschlag genommen als in diesem Jahr. Dass der Vorsitzende, Reinhard Kardinal Marx, bereits am ersten Tag in der Debatte um die Segnung homosexueller Paare zurückruderte und der Gastgeber, Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt, zum Finanzskandal im eigenen Bistum Stellung nahm, zeigte, dass der Wind eilig aus der Sache genommen werden sollte.

Kein tagespolitisches Thema steht in diesem Jahr in Ingolstadt wirklich im Fokus. Das ist ungewöhnlich, passt aber zum Generationenwechsel innerhalb der Bischofskonferenz. Unpolitisch wie nie präsentieren sich viele jüngere Bischöfe. Die Verfassung ihrer Diözesen lässt den meisten deutlich weniger Handlungsspielraum für weltliche Fragen, als das noch vor zehn oder zwanzig Jahren denkbar gewesen wäre. Weitgehend leere Priesterseminare, Gemeinden, in denen Pensionäre einen Großteil der ordentlichen Seelsorge bewältigen, und teilweise fragile Finanzpläne schaffen schier unlösbare Engpässe.

Etliche Bischöfe haben von ihren Vorgängern schlicht ein Desaster geerbt und müssen sowohl die Personalpläne als auch die Seelsorge in ihren Bistümern neu aufstellen. Darum liegt die Konzentration der Kräfte auf die Belange der Ortskirche im Trend. Überdiözesane Aufgaben treten immer stärker in den Hintergrund, das Interesse an lehrmäßigen Fragen fehlt den allermeisten.

Zudem zeichnet sich ein Mentalitätswandel ab: Charismatische Überzeugungstäter sind rar geworden. Die Suche nach Innerlichkeit ist unübersehbar. Nie zuvor gehörten mehr Mitglieder der Vollversammlung einer geistlichen Bewegung an. Sie haben ihre geistliche Heimat etwa in der Johannesgemeinschaft, im Neokatechumenat oder bei den Fokolarini. Bewusst vermeiden viele von ihnen auch, sich einen Terminkalender zuzulegen, der dem eines Berufspolitikers ähnelt.

Mehrere Medienkampagnen gegen deutsche Bischöfe haben in den vergangenen Jahren Spuren hinterlassen. Die Sorge, sich angreifbar zu machen, wog noch nie so schwer wie heute.

Im digitalisierten Zeitalter hält sich die Medienaffinität der meisten Hirten in Grenzen. Sie wird auch selten vermisst. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Redakteure großer überregionaler Zeitungen noch in der Ära Lehmann um die Aufmerksamkeit des Vorsitzenden bemühten, ist mittlerweile vorbei.

Die Bischofskonferenz hat keine öffentlich streitenden Antipoden mehr. Unter dem Spannungsbogen zwischen Wertkonservativen und Liberalen breitet sich auch Resignation aus.

 
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