Kommentar: Von der Krippe zum Kreuzweg

Von Markus Reder
Foto: DT | Markus Reder.
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Weihnachten ist ernst – damals wie heute. Wohlige Festtagsromantik entspricht weder der Lebenswirklichkeit der heiligen Familie, noch der Situation vieler Christen in Not und Bedrängnis. Dass die Kirche am zweiten Weihnachtstag den Stephanustag begeht und der verfolgten Christen in aller Welt gedenkt, macht die ganze Dramatik christlicher Existenz deutlich. Nie war dieser Gedenktag so wichtig wie heute. Nie in der Geschichte der Kirche hat es eine Christenverfolgung in diesem Ausmaß gegeben. Aber der Westen schaut weg. Trotz aller Appelle des Papstes und der Hilfeschreie der Christen herrscht eine perverse Gleichgültigkeit. Schwer zu sagen, was Christen in Not mehr schmerzt, der beißende Hass ihrer Peiniger oder die grausame Ignoranz des Westens? Zu Weihnachten hat das Oberhaupt der syrisch-katholischen Kirche, Ignatius Joseph III. Younan, genau das beklagt und dem Westen vorgeworfen, das Leid von Christen in Nahost zu ignorieren: „Wir werden nicht nur vergessen, sondern betrogen von der sogenannten zivilisierten Welt, die sich weigert, die Notlage der christlichen Minderheit unter einer nicht christlichen Mehrheit anzuerkennen“, so der Patriarch. Und er wurde noch deutlicher: „Wir bilden keine Umma, wir haben kein Öl, und der Westen will seine Geschäfte mit den muslimischen Ländern nicht gefährden, indem er uns verteidigt.“

„Wir brauchen Hilfe. Sonst sind bald alle Christen weg“, flehte der Patriarch. Man wird befürchten müssen, dass auch dieser Aufschrei auf taube Ohren stößt. Angesichts des doppelten Dramas – der Verfolgung durch Islamisten und der Gleichgültigkeit des Westens – ist ein Gedenktag wichtig, aber zu wenig. Haltungen und Einstellungen müssen sich ändern. Wenn nicht bald ein Bewusstseinsschub durch die westliche Christenheit geht, der die Kraft hat, die Ignoranz von Politik und Gesellschaft zu erschüttern, wird es zu spät sein für die Christen in Nahost. Dort gehen Glaubensgeschwister für ihr Bekenntnis ans Kreuz. Wenn selbst diese leidende Kirche die diskutierende Kirche des Westens, die sich seit Jahrzehnten in den gleichen kirchenpolitischen Frontstellungen blockiert, nicht mehr wach rüttelt, wozu dann noch Weihnachten feiern? Wachet auf, ruft uns das Blut der Märtyrer.

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