Berlin

Kommentar: Linke Nebelkerzen

Olaf Scholz soll doch noch den einen oder anderen bürgerlichen Wähler zu den Linken ziehen. Deren Programm dürfte Christen dennoch nicht schmecken.
SPD macht Vizekanzler Scholz zum Kanzlerkandidaten
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Scholz ist die Nebelkerze, die die Vordenker einer linken Bundesregierung werfen, um vielleicht doch noch den einen oder anderen bürgerlichen Wähler zu sich herüberzuziehen.

Olaf Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD. Abgesehen davon, dass die aktuellen Umfrageergebnisse die Frage aufwerfen, ob die Sozialdemokraten der Hybris verfallen sind, wenn sie einen Aspiranten auf das Kanzleramt aufstellen, ist diese Personalie doch interessant. Denn Scholz ist die Nebelkerze, die die Vordenker einer linken Bundesregierung werfen, um vielleicht doch noch den einen oder anderen bürgerlichen Wähler zu sich herüberzuziehen. Linke Regierung, das hieße SPD plus Grüne plus Linkspartei. Im Jargon der linken Vordenker klingt das so: Man wolle eine "progressive Regierung", twitterte SPD-Chefin Saskia Esken kürzlich. 

Lebensschützer dürfen sich auf etwas gefasst machen

Das Programm einer solchen Regierung würde manches beinhalten, was Christen nicht schmecken kann. Vor allem Lebensschützer dürften sich auf manches gefasst machen: Von den Grünen ist jetzt schon zu hören, dass der Paragraph 218 geschleift werden soll. Die Linkspartei ist hier sowieso schon im Boot und auch die Esken-und-Kühnert-SPD dürfte hier nicht lange hadern. Ähnlich sieht es bei der Familienpolitik aus. Und hier kommt wieder Olaf Scholz ins Spiel. Er war es, der als SPD-Generalsekretär einst "die Lufthoheit über den Kinderbetten" für sich und seine Genossen reklamierte. Elternrechte? Hier ist einiges zu erwarten.

Scholz gilt als wirtschaftspolitischer Pragmatiker

Lesen Sie auch:

Scholz gilt als wirtschaftspolitischer Pragmatiker. Seine Biographie ist aber typisch für viele Sozialdemokraten, die in ihrer Jugend als Stamokap-Juso radikalen Ideen frönten, im Alter dann aber im Gefolge ihres alten Vorsitzenden Gerhard Schröder zur ökonomischen Vernunft gefunden haben. Sicher, die Agenda 2010 ist ohne Zweifel ein wichtiger Baustein gewesen für die gute wirtschaftliche Lage der letzten Jahre, von der wir gerade jetzt in der Corona-Krise zehren. Und Scholz ist sicher, bei allen verbalen Verbeugungen gegenüber der Parteilinken, die er jetzt machen muss, ein Agenda-Mann. Das heißt aber nicht - und hier wird es für christliche Wähler entscheidend -, dass Scholz aber gleichzeitig in seinen gesellschaftspolitischen Vorstellungen geläutert wäre. Die "Lufthoheit" will er immer noch.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Sebastian Sasse Gerhard Schröder Olaf Scholz Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Saskia Esken Sozialdemokraten

Kirche

Beeindruckendes Buch: Andreas Sturm beschreibt seinen Weg zum Austritt aus der katholischen Kirche mit schonungsloser Ehrlichkeit. Ein Spiegel der Kirche unserer Tage.
06.08.2022, 07 Uhr
Peter Winnemöller
Die Mehrheit der Katholiken ist gegen sie. Die Abgabe ist längst nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht zukunftsfähig. Die jüngste Umfrage ist nur ein Warnschuss.
05.08.2022, 11 Uhr
Peter Winnemöller