Kommentar: Kein Druck auf den Papst

Von Guido Horst
Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.

Mit dem Interview, das Kardinal Gerhard Müller jetzt einem Privatsender Italiens zu „Amoris laetitia“ gegeben hat, ist das vorläufige Ende einer kircheninternen Debatte erreicht. Immerhin stammen die Worte des Glaubenspräfekten aus berufenem Mund. Indem der Kardinal erklärt, dass Papst Franziskus in den nachsynodalen Schreiben darum gebeten habe, man möge Personen, die in einer Beziehung lebten, die nicht der kirchlichen Ehelehre entspreche, dabei helfen, „einen Weg der neuen Integration in die Kirche entsprechend den Bedingungen der Sakramente zu finden“, bekräftigt er nicht nur das, was er bereits früher gesagt hat, sondern auch die Lehre und die pastorale Praxis der Kirche. Aber Müller sagt mehr: Eine – brüderliche oder öffentliche – Korrektur des Papstes könne es nicht geben, weil „Amoris laetitia“ keine Gefahr für den Glauben darstelle. Und es habe ihm nicht gefallen, dass Franziskus durch die Veröffentlichung eines Kardinalsbriefs quasi dazu gezwungen wurde, sich öffentlich nochmals zu erklären.

Damit ist klar, dass es in absehbarer Zeit aus dem Kardinalskollegium oder dem Weltepiskopat heraus keinen Versuch mehr geben wird, den Papst formal zu korrigieren, wie dies Kardinal Raymond Burke gefordert hat. Auch die bisher in der Öffentlichkeit geführte Debatte über die „dubia“, die Zweifel der vier Kardinäle, ist beendet. In Fachkreisen kann sie weitergehen, aber als Aufreger taugt sie nicht mehr. Die Kirche hat immer damit gelebt, dass man nicht jedes einzelne menschliche Schicksal auf fixe Standards herunterbrechen kann. Auch vor „Amoris laetitia“ hat es in der seelsorglichen Praxis Einzelfalllösungen gegeben, begleitet von besonnenen und verantwortungsbewussten Geistlichen. Mit „Amoris laetita“ sind die Bedingungen hierfür eher strenger geworden. Da wird nicht mehr, wie manche pastorale Handreichungen in Deutschland es wollten, eine allgemeine Regel für Einzelfälle aufgestellt, sondern ein Einzelner muss wirklich auf dem pastoral begleiteten Weg der Umkehr und Bekehrung sein. Und das will etwas heißen.

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