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Kinder an die Macht, um Macht über Kinder zu bekommen

Die Politik hat ein Auge auf Kinder geworfen. Postmoderne Denker dekonstruieren die Kindheit zu einem sozialen Konstrukt. Das Kind wird für gesellschaftliche Kräfte zum Objekt.
Heute Kinder
Foto: Imago Images | Die Wirtschaft sieht die Kinder von heute vor allem als Konsumenten und Arbeitskräfte von morgen an.

„Kinder an die Macht!“ Der Sänger Herbert Grönemeyer forderte dies in einem Lied mit der lyrischen Begründung „Sie berechnen nicht, was sie tun“. Künstler können leicht fordern. In der Wirklichkeit sind Kinder die ohnmächtigste Gruppe der Gesellschaft. Das deutsche Recht sieht als Kind an, wer noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hat. Kinder haben im Rechtssystem zwar exklusive Schutzrechte, geschäftsfähig werden sie erst nach und nach.

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Kind als Kind

Eine wissenschaftliche Wahrnehmung der Kindheit als eigenständige Lebensphase ist recht jung. Von der kaum wahrgenommenen Kindheit als reinem Durchgangsstadium zum Erwachsenwerden, hat sich der Blick dahin gewandelt, Kinder nicht nur als Menschen in Entwicklung anzusehen, sondern auch als Personen aus eigenem Recht. Postmoderne Denker hingegen dekonstruieren die Kindheit zu einem sozialen Konstrukt. Damit ist das Kind als Begriff aufgelöst.

Gesellschaftliche Gruppen schauen grundsätzlich interessengeleitet auf das Kind. Sportverbände suchen unter Kindern den nächsten Weltmeister. Die Wirtschaft sieht die künftigen Arbeitskräfte. Für die Politik stehen Kinder stark im Fokus, da ohne Kinder kein Staat eine Zukunft haben kann. Da enden die Gemeinsamkeiten dann allerdings.

Hoheit über die Kindheit

Olaf Scholz, der neue Bundeskanzler, wollte einst die Hoheit über die Kinderbetten für den Staat. Dahinter steht das abgrundtiefe sozialistische Misstrauen gegenüber Eltern, diese würden ihre Kinder im Sinne des Staates gar nicht richtig erziehen. Die SPD legt in ihrem Parteiprogramm sehr viel Wert auf frühe Betreuung in der Kita. Dem klassischen Eltern- Kind- Verhältnis steht die größte Regierungspartei nicht näher als alternativen Elternformen. Genannt wird im Parteiprogramm die Mehrelternschaft, die über die biologische Elternschaft hinaus geht. Die SPD postuliert ein „modernes Abstammungsrecht“ und strebt damit die Trennung der biologischen Abstammung eines Kindes von der rechtlich festgelegten Abstammung an.

Auch die Grünen wollen eine diverse Elternschaft ermöglichen. Allerdings sollen alle Kinder das Recht auf Wissen um ihre Abstammung haben. Die FDP legt bei Kindern Wert auf Bildung. Aus Erziehungsfragen halten sich Liberale raus. Allenfalls dort, wo Kinder den Karrieren ihrer Eltern im Weg stehen, wird eine verlässliche Kinderbetreuung gefordert. Erwartungsgemäß sieht die CDU in ihrem Wahlprogramm Kinder vor allem im Kontext der Familie. Jedoch hat die Union ein christliches Familienbild aufgegeben.

Kind als Ware

Forderungen nach Kindergeld- und Kindersplitting und das Ermöglichen von Zeit von Eltern und Kindern miteinander stehen im Fokus. Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung macht das Kind zur Ware. Reproduktionsmethoden aller Art, Eizell- und Samenspenden für diverse Partnerschaften sind der Plan. Bei Nichtgefallen Abtreibung.

Für die Arbeitgeberverbände stellen Kinder vor allem den Nachwuchs an Arbeitskräften dar. Dementsprechend äußern sich die Arbeitgeberverbände recht häufig und umfassend zu Kindern. Dabei geht es vor allem um den Aspekt der Bildung.

Ambivalente Kinder

Ein weiteres Thema für die Arbeitgeberverbände zeigt eine Ambivalenz auf, denn Kinder behindern Mütter an der Teilhabe am Arbeitsmarkt, darum legen Arbeitgeberverbände großen Wert auf frühe Kinderbetreuung. Darin treffen sie sich mit den Gewerkschaften, die aus ähnlichen Gründen, um Müttern Teilhabe an der Wirtschaft zu ermöglichen, die frühe und umfassende Kitabetreuung fordern.

Einen weiteren Aspekt bringen die Gewerkschaften in die Diskussion, das ist die Kinderarmut. Diese existiert in Deutschland. Eine eigene Kindergrundsicherung stellen die Gewerkschaften als Ausweg hin. Das Kind um des Kindes willen sieht man wohl allein in er Kirche, die Kinder als einen Segen ansieht. Damit hat die die Kirche ein Alleinstellungsmerkmal.

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