Erbil

Iraks Christen setzen auf Kurdistan

Der einzige christliche Minister der nord-irakischen Autonomen Region Kurdistan präsentiert seine Heimat als Land der Stabilität, des Friedens und der Toleranz.
Erbil
Foto: Stephan Baier | Die Metropole der nord-irakischen Autonomen Region Kurdistan, Erbil, feiert seine kurdische Identität.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen in Bagdad, bei denen fast 40 Menschen ums Leben kamen und 400 verwundet wurden, präsentiert sich die nord-irakische Autonome Region Kurdistan als Hort des Friedens und der Stabilität. „Die schiitischen Milizen versuchen, unser Land zu transformieren“, meint der einzige christliche Minister in der kurdischen Regionalregierung, Ano Jawhar Abdulmaseeh Abdoka. Immer mehr Menschen würden aus dem Zentralirak in den kurdischen Norden des Landes emigrieren. Etwa zwei Millionen nicht-kurdische, arabischsprachige Iraker hätten bereits in Kurdistan Zuflucht gesucht. 

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Der Politiker, selbst bekennender chaldäischer Katholik, sieht die Kurdenregion als sicheres Reservat für Christen: Die kurdische Regierung schenke Land für den Bau von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen, sehe die Christen als Partner und garantiere Toleranz. In der Regierung von Kurdistan sitze kein einziger Islamist, sondern nur Vertreter säkularer Parteien, während in Bagdad 90 Prozent der Macht in den Händen von Extremisten sei, sagt Ano Jawhar im Gespräch in Erbil.

Klare Worte gegen die PKK

 

Ano Jawhar Abdulmaseeh Abdoka


Er selbst sieht sich als Stimme und Anwalt der Christen Kurdistans. Hier sei alles ruhig, nach einem zweijährigen Bürgerkrieg habe man seine Lektionen gelernt und plane Machtwechsel nur mehr durch Wahlen und ohne Blutvergießen. Die Dramen, die sich in Bagdad abspielen, hätten jedoch durchaus ihre Wirkung: Obwohl die Autonomie der Region Kurdistan in der irakischen Verfassung verankert ist, weigere sich die Regierung in Bagdad seit 2013, die aus dem Ölgeschäft stammenden Einnahmen anteilig an die Region zurückzuüberweisen. Zudem werde Kurdistan von Bagdad „dämonisiert“ und ungerecht beschuldigt. Minister Ano Jawhar legt Wert darauf, Kurdistan als ein „Modell des Friedens und der Stabilität“ darzustellen.

Klare Kante zeigt der Minister gegen die Terrororganisation PKK, die im irakisch-türkischen Grenzgebiet operiert: „Die PKK ist eine türkische Partei und ein türkisches Problem. Sie sollen auf ihr Gebiet gehen!“ Der Nachbar solle seine Konflikte nicht auf kurdischem Gebiet austragen. Die PKK sei allein der Grund für die türkische Präsenz auf irakischem Gebiet. „Die internationale Gemeinschaft muss dieses Problem zwischen der türkischen Regierung und der PKK lösen, aber auf türkischem Gebiet und mit friedlichen Mitteln.“  DT/sba

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die Lage der Christen im Irak und die Entwicklung in Kurdistan in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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