Ihr Herz schlägt für das eigene Haus

Liz Mohn ist angekommen. Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hat den Einfluss seiner Ehefrau auf eines der größten Medienunternehmen der Welt noch einmal kräftig ausgeweitet. Damit besinnt sich das Unternehmen wieder auf seine Familientradition. „Federführend für die Wahrnehmung des Familieneinflusses habe ich meine Frau eingesetzt“, schrieb Reinhard Mohn in der „Welt am Sonntag“.

Dass die vor Energie sprühende Liz Mohn, zweite Frau von Reinhard Mohn, gerne an wichtigen Strippen zieht, wurde spätestens bei der überraschenden Trennung vom Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG Thomas Middelhoff im vergangenen Sommer deutlich. Nun rückt die Bertelsmann AG noch ein Stück weiter von den Middelhoffschen Börsenträumen ab. Dem Gesellschafter GBL hat Bertelsmann sich zwar verpflichtet, dessen Anteil von 25 Prozent an die Börse zu bringen. Aber der Rest solle hübsch in der Familie bleiben, meint Liz Mohn. Sie werde Bertelsmann für die Familie erhalten. „Dafür schlägt das Herz. Das ist unser Leben“, sagt sie.

Liz Mohn, gelernte Zahnarzthelferin und ehemalige Pfadfinderin, fing 1958 beim Bertelsmann Buchclub an. Bald wurde sie die Lebensgefährtin des 20 Jahre älteren Unternehmenschefs, den sie 1982 heiratete. Anfangs konzentrierte sich die First Lady von Gütersloh auf soziale Projekte, kümmerte sich um den „Rosenball“ und den Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“. Dann baute sie ihre Stellung immer weiter aus, nahm Platz im Präsidium der Bertelsmann Stiftung und im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG. „Ich kann gestalten, aber Macht ist ein Negativbegriff für mich“, sagt sie. Den Instinkt dazu hat ihr allerdings nie jemand abgesprochen.

Sie hat eine Menschen gewinnende Art. Den Umgang mit Prominenz aller Art liebt und pflegt sie. „Und dann hat mich Sylvia angerufen“, sagt sie, wenn sie von einer gemeinsamen Wohltätigkeitsaktion mit der schwedischen Königin berichtet. „Und Bill sagte zu mir...“, heißt es, wenn von einer Begegnung mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton die Rede ist.

Von den drei Kindern, die Liz und Reinhard Mohn gemeinsam haben, nehmen zwei mittlerweile Führungspositionen bei Bertelsmann ein. Der ältere Sohn Christoph ist Chef des Internet-Portals Lycos Europe. Tochter Brigitte, promovierte Politikwissenschaftlerin, leitet einen von fünf Bereichen der Bertelsmann Stiftung und sitzt der von der Mutter gegründeten Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe vor.

Die von der Mohn-Familie geführte Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft kontrolliert 75 Prozent der Stimmrechte in der Hauptversammlung der Bertelsmann AG. Künftig sollen alle wichtigen Entscheidungen dort „nur mit der Zustimmung der Familienvertreter erfolgen können“, hat der Patriarch entschieden. Bislang saßen Liz, Reinhard und Christoph Mohn dort mit vier Nicht-Familienmitgliedern zusammen. Um den Familieneinfluss langfristig zu sichern, kündigte Reinhard Mohn nun „rechtliche Lösungen“ an, ohne sie genauer zu beschreiben. Ambitionen ganz anderer Art hat der jüngste Sohn Andreas. Er besitzt eine Modelagentur und hat keinen Ehrgeiz, im Unternehmen eine Führungsrolle zu übernehmen. „Ich bin Autor und Künstler“, sagt er. Dass sein Vater den Einfluss der Familie in dem Medienkonzern stärken will, hält er aber für sinnvoll.

Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Buchverlag Random House steht nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ unmittelbar vor der Übernahme der Springer-Buchtochter Ullstein Heyne List. Wie die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Unternehmenskreise erklärte, sind sich die Verhandlungsführer beider Seiten über das Geschäft grundsätzlich einig.

Es liegt auch eine schriftliche Vorvereinbarung vor. Die Medienkonzerne verhandelten derzeit noch über die letzten Details des Geschäfts, das schon in den nächsten Tagen öffentlich bekannt gegeben werden könnte, hieß es in dem Bericht. Noch stehe allerdings die Zustimmung der Springer-Spitze aus.

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