Assistierter Suizid

Hochsensibles Terrain

Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) schildert ihre Position zum assistierten Suizid.
Bundestag berät über Suizidhilfe
Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) | Der Staat muss das Leben seiner Bürger durch Präventionsmaßnahmen für vulnerable Gruppen schützen. Daher darf die Sterbeassistenz und der Weg dorthin nicht allein den Ärzten überlassen werden.

Am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht den § 217 StGB für verfassungswidrig erklärt und damit ein materiell entgrenztes Recht auf Suizidassistenz postuliert. An diesem Rechtsrahmen hat sich der Bundestag bei einer Neuregelung zu orientieren. Anfang Dezember haben sich auch die in der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV) organisierten katholischen Studentinnen und Studenten diesem ethisch anspruchsvollen Thema gewidmet.

Wünschenswertes und Machbares fallen auseinander

Eines ist klar: Das aus christlicher Ethik Wünschenswerte und rechtspolitisch Machbare fallen in dieser Frage auseinander. Dennoch haben wir in unserem Papier deutlich gemacht, was eine dem christlichen Menschenbild verpflichtete Neuregelung zwingend beachten muss: 1. Rechtsunsicherheit ist unter allen Umständen zu vermeiden. Hier gilt es lieber klare Grenzen zu ziehen als komplizierte Voraussetzungen zu schaffen. 2. Belgien und die Niederlande müssen uns ein mahnendes Beispiel dafür sein, dass es eine Bagatellisierung der Sterbeassistenz nicht geben darf. 3. Der Staat muss das Leben seiner Bürger durch Präventionsmaßnahmen für vulnerable Gruppen schützen. Daher darf die Sterbeassistenz und der Weg dorthin nicht allein den Ärzten überlassen werden, sondern sollte durch staatliche Stellen mit geprüft und begleitet werden.

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Unter Berücksichtigung dieser Punkte sind alle diskutierten Gesetzesvorhaben problembehaftet. Zu begrüßen ist sicherlich der Vorstoß um die Gruppe Castellucci (SPD)/Heveling (CDU), der die grundsätzliche Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid aufrechterhalten möchte. Am Ende darf man sich der Realität, wie sie sich bereits in anderen Ländern zeigt, aber nicht verschließen: Gerade in Zeiten des Pflegenotstandes und der wirtschaftlichen Notlage vieler Menschen schafft das Angebot des assistierten Suizids für alte und kranke Menschen Nachfrage. Eine Neuregelung bewegt sich also in jedem Falle auf hochsensiblem Terrain.


Bernhard Vehrenberg ist Grundsatzreferent der AGV.

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