12. Januar: Der Wochenheilige

Hl. Martin von León

Lange nicht als Heiliger verzeichnet, findet sich der Gedenktag des heiligen Martin von León im neuen Martyrologium Romanum von 2004 unter dem Datum des 12. Januar.
Heilige Martin von León
| Der heilige Martin von León, zu dem zahlreiche Ratsuchende gingen, darunter Bischöfe, Fürsten und auch König Alfons IX., dessen Beichtvater er war, starb am 12. Januar 1203 im Alter von etwa 80 Jahren.

Im ersten Jahrtausend fanden Heiligsprechungen auf lokaler Ebene statt. Erst um 900 gab es erste Kanonisierungen durch den Papst in Rom, wodurch es zu Auseinandersetzungen über die Zuständigkeit kam. Papst Alexander III. beanspruchte 1171/72 durch das Dekretale Audivimus die Heiligsprechung als alleiniges päpstliches Vorrecht, was jedoch nicht von allen Bischöfen beachtet wurde. Gregor IX. bestätigte die Entscheidung durch ein Dekret im Jahr 1234. In den Zeitraum zwischen den beiden päpstlichen Verfügungen – in das Jahr 1203 – fiel der Tod des Augustiner-Chorherren Martin von León, der auf lokaler Ebene sofort verehrt wurde, während eine offizielle Heiligsprechung nicht stattfand; auch im ersten Martyrologium Romanum von 1584 war er nicht enthalten. Erst 1959 wurde seine Verehrung in der Basilika San Isidoro in León durch den Heiligen Stuhl gestattet, 1962 für das ganze Bistum León. Im neuen Martyrologium Romanum von 2004 findet sich der Gedenktag des heiligen Martin von León unter dem Datum des 12. Januar.

1130 in Nordspanien geboren

Martin wurde vor 1130 im nordspanischen León geboren. Nachdem seine Mutter gestorben war, trat sein Vater bei den Augustiner-Chorherren ein und nahm den kleinen Martin mit in das Kloster, wo er Lesen und Schreiben lernte und mit den Mönchen im Chor sang. Mit etwa 18 Jahren wurde er zum Subdiakon geweiht. Nach dem Tod seines Vaters wenige Jahre später begab sich der junge Martin auf eine Pilgerreise, von der er erst nach 30 Jahren zurückkehren sollte.

Zunächst pilgerte er nach Oviedo, wo die Reliquie des Schweißtuches Jesu aufbewahrt wird, und von dort aus nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus. Anschließend begab er sich nach Rom, wo er während der Fastenzeit nur Wasser und Brot zu sich nahm, viermal in der Woche. Seine strenge Askese beeindruckte den Papst – wohl Hadrian IV. –, der ihm in der Osterzeit eine Audienz gewährte. Anschließend bestieg Martin ein Schiff, das ihn nach Jerusalem brachte, wo er zwei Jahre lang in einem Hospiz arbeitete. Von hier aus pilgerte er weiter nach Antiochia, das damals unter der Verwaltung der Kreuzritter stand, und anschließend nach Konstantinopel, wo er ein seidenes Messgewand kaufte. Dann machte er sich auf die Rückreise durch Italien und über die Alpen nach Frankreich, wo er die berühmten Kathedralschulen von Chartres und Reims besuchte und sich schließlich in Paris niederließ, Theologie studierte und Schüler des Scholastikers Petrus Lombardus wurde. Nach einem Abstecher nach England und Irland kehrte Martin zurück nach Frankreich und besuchte in Toulouse das Grab des heiligen Saturninus.

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Ins Gefängnis geworfen

In Béziers, damals eine Hochburg der Katharer, Anhänger einer antiklerikalen radikalen Armutsbewegung, wurde Martin beschuldigt, das seidene Messgewand gestohlen zu haben, und ins Gefängnis geworfen. Erst nachdem er das Missverständnis aufgeklärt hatte, ließ man ihn weiterziehen in seine Heimatstadt León. Hier kam Martin zwischen 1181 und 1185 wieder an,

Nach 30jähriger Pilgerschaft und mittlerweile mit fast 60 Jahren wurde er wieder bei den Augustiner-Chorherren aufgenommen und zum Diakon und Priester geweiht. 1185 wechselte er in das Kloster San Isidoro. Wie auf seiner Pilgerreise führte er weiterhin einen sehr asketischen Lebensstil, trank fast nur Wasser und aß niemals Fleisch. Er schlief auf etwas Stroh auf dem Boden und ging nachts oft hinaus, um Kranke zu pflegen.

Leiter des Skriptoriums

In San Isidoro wurde er Leiter des klösterlichen Skriptoriums und begann, eine Konkordanz zum Alten und Neuen Testament zu schreiben, ein Monumentalwerk, das mehrere Jahre in Anspruch nahm. Er wurde von mehreren Schreibern unterstützt, und das Werk wurde mit kostbaren Miniaturen versehen. Er konnte es nur unter starken Beschwerden beenden, da er an Kopfschmerzen und starkem Rheuma litt. In der Basilika San Isidoro ließ er außerdem zwei Kapellen errichten, die dem Heiligen Kreuz und der Dreifaltigkeit gewidmet waren. Der heilige Martin von León, zu dem zahlreiche Ratsuchende gingen, darunter Bischöfe, Fürsten und auch König Alfons IX., dessen Beichtvater er war, starb am 12. Januar 1203 im Alter von etwa 80 Jahren.

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