Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Düsseldorf (DT/KNA) An mehr als der Hälfte aller Schulen in Nordrhein-Westfalen hat es in den letzten fünf Jahren Gewalt gegen Lehrer gegeben. Bei einer am Montag vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Düsseldorf veröffentlichten Umfrage berichteten 59 Prozent der in NRW befragten Lehrkräfte von Fällen, in denen Kollegen bedroht, beschimpft, beleidigt, gemobbt und belästigt worden seien. Bundesweit klagten laut VBE-Umfrage 55 Prozent aller Pädagogen über Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule. Ein Viertel (25 Prozent) aller Lehrer in NRW hatten Kenntnisse von psychischer Gewalt durch Schüler oder Eltern. Bundesweit waren es 21 Prozent. Acht Prozent der Lehrer bekundeten, bereits selbst tätlich angegriffen worden zu sein. Nach den Berechnungen des VBE sind landesweit 14 500 Lehrer Opfer körperlicher Gewalt geworden. Zudem berichteten bundesweit jeder dritte und NRW-weit jeder vierte Lehrer von zunehmenden Fällen von Cybermobbing. Im Internet würden Lehrkräfte von Schülern und Eltern als „Schlampen“ oder „Huren“ beschimpft. In einem Fall sei eine Lehrerin wegen eines Moscheebesuchs mit ihrer Klasse von Eltern aus dem rechten Milieu in den Sozialen Medien wochenlang drangsaliert worden. 30 Prozent der Befragten gaben an, Übergriffe von Eltern und Schülern nicht gemeldet zu haben. Gewalt gegen Lehrkräfte sei immer noch „ein Tabuthema“, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Die meisten Lehrkräfte vermissten eine ausreichende Rückendeckung ihres Dienstherrn und der Justiz. Der VBE verlangte, gewalttätige Vorfälle aller Art müssten künftig „verpflichtend gemeldet und dokumentiert“ werden. Die in den Schulgesetzen und im Schulkodex festgehaltenen Maßnahmen sollten stärker genutzt werden, um entsprechende Vergehen gerade strafunmündiger Kinder abzustrafen. Bei psychischer Gewalt durch Erziehungsberechtigte dürften Lehrer aber auch nicht vor Strafanzeigen zurückschrecken.

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