Boppard

Gastkommentar: Für ein Sexkauf-Verbot

Es ist genauso falsch, die Prostitution schleunigst wieder zu erlauben, wie sie generell zu verbieten. Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI fordert, dass die Strafbarkeit auf Freier und Zuhälter übertragen wird.
Coronavirus -Bordelle müssen schließen
Foto: Daniel Karmann (dpa) | Es braucht es ein Bundesgesetz, das den Sexkauf verbietet und den Frauen Zugang zu effektiver finanzieller Unterstützung und Beratung ermöglicht, fordert Maria Decker.

Seit dem 16. März sind in Deutschland die Bordelle geschlossen. Sexuelle Handlungen sind mit den Abstandsregeln nicht zu vereinbaren und Kontaktketten kaum nachvollziehbar, da Freier anonym bleiben wollen. Viele der Frauen in der Prostitution sind in ihrer Existenz bedroht. Die meisten konnten wegen der Grenzsperren nicht in ihre Heimatländer zurückkehren, oft werden sie von Zuhältern illegal zur Prostitution in Wohnungen und im Internet gezwungen.

Zwei grundverschiedene Forderungen spuken seitdem durch den Medienwald. Manche wollen, dass die Prostitution schleunigst wieder erlaubt wird, damit die „armen Frauen“ ihrem Beruf nachgehen und die ach so geplagten Männer ihre Bedürfnisse befriedigen können. Andere machen sich stark für ein generelles Verbot der Prostitution. SOLWODI hält beides für falsch. Es ist richtig, dass die Prostitution Frauen zur Ware entwürdigt. Kaum eine Frau verkauft freiwillig ihren Körper. Armut und mafiöse Strukturen bis hin zu Menschenhandel oder emotionale Ausbeutung. Dennoch sollte nicht die Prostitution an sich verboten werden, denn damit würden hauptsächlich die Opfer des Systems, die betroffenen Frauen, kriminalisiert. Vielmehr muss die Nachfrage durch ein klares Sexkauf-Verbot ausgetrocknet werden.

Das Nordische Modell auch in Deutschland

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SOLWODI fordert daher die Einführung des Nordischen Modells auch in Deutschland. Nach diesem Modell, das unter anderem in Schweden, Norwegen, Irland und Frankreich umgesetzt ist, machen sich gerade nicht die Frauen, die in die Prostitution gezwungen werden, strafbar, sondern die Freier und die Zuhälter. Die Frauen müssen stattdessen  staatliche Hilfe erhalten, um sich eine Existenz außerhalb der Prostitution aufbauen zu können.

Hierzu braucht es ein Bundesgesetz, das den Sexkauf verbietet und den Frauen Zugang zu effektiver finanzieller Unterstützung und Beratung ermöglicht. Die Bundesregierung muss handeln. JETZT!

Die Autorin ist Managing Director der Frauenrechtsorganisation SOLWODI, die von Schwester Lea Ackermann gegründet worden ist

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