Erst kommt die Kunst, danach der Wein

Das imposante Kloster Melk am Donau-Eingang in die Wachau – da erwartet man hochaktive klostereigene Kellereibetriebe und satte, gewinnträchtige „Alkohol-Posten“ auf den klösterlichen Wirtschaftslisten. Weit gefehlt! „Schon vor zwanzig Jahren haben wir den Grundsatzentschluss gefasst, unsere Wein-Anbauflächen zu verpachten“, erklärt Pater Wolfgang Mayrhofer von der Zentraldirektion des Benediktinerstiftes Melk. „Die Weinwirtschaft hat sich nicht mehr rentiert.“ Das hat mit der historischen Entwicklung der umfänglichen Stiftsbesitzungen zu tun. Um es zu verstehen, muss man in den Annalen um achthundert Jahre zurückblättern: In der Zeit der Babenberger ging es um die Grenzsicherung. Die Klöster bekamen von den Markgrafen und Herzögen Besitzungen fernab im Osten übertragen, nicht aus Großzügigkeit, sondern unter dem Aspekt der Grenzsicherung. Diese Entfernung ist jetzt eine organisatorische Hypothek: „Gumpoldskirchen bei Wien, wo wir ausgedehnte Weingärten haben, ist beispielsweise schon gut hundert Kilometer vom Stift entfernt“, sagt Pater Wolfgang. „Das lässt sich nicht mehr vom Kloster aus bewirtschaften, wir müssten dort also eigens Leute anstellen.“ Das machte die Sache unrentabel.

„Wir haben auch keine Destillerie für Hochprozentiges, und wir erzeugen auch kein Bier!“ Für die Liquidität des Stiftes sorgt der Tourismus: Zwischen vierhunderttausend und 450000 Besucher jährlich kommen nach Melk. Die beispiellos schöne Lage an einem Hügel unmittelbar an der Donau, die einmalig günstige Position am Ost-West-Hauptverkehrsstrang Österreichs sichert einen touristischen Sonnenplatz. Nach dem besuchermäßig unangefochtenen Schloss Schönbrunn in Wien und der Fes-tung Hohensalzburg liegt Melk an dritter Stelle auf der Liste von den Sehenswürdigkeiten, die man in Österreich einfach besucht haben muss. Kein Donau-Kreuzfahrtschiff kommt an der Anlegestelle bei Melk vorbei, sowohl per Zug als auch per Autobahn ist Melk besser als die meisten anderen österreichischen Klöster zu erreichen. Mit dem grandiosen Marmorsaal und der Bibliothek (Fresken von Paul Troger), mit den Rottmayr-Fresken in der Stiftskirche bekommt der Besucher ja auch einen intensiven Eindruck von der Blütezeit des österreichischen Barock: ein touristisch gut verzinsbares Kunst-Kapital.

Gegenüber den Einnahmen aus dem Tourismus spielen die anderen klösterlichen Unternehmungen nur eine untergeordnete Rolle, auch die Landwirtschaft: Derzeit werden siebenhundert Hektar Nutzfläche vom Stift selbst bewirtschaftet, außerdem dreitausendfünfhundert Hektar Wald. „Das war früher unsere ureigene Domäne“, sagt Pater Wolfgang. Aber mittlerweile geht es eben hauptsächlich um die Tagesgäste. Beherbergungsbetriebe führt das Kloster nicht, das Gästehaus dient nur pastoralen Zwecken. Dort nimmt man nur wenige Leute auf, die „Kloster auf Zeit“ kennen lernen und an der Spiritualität des Ortes teilhaben wollen.

Von wirtschaftlicher Bedeutung für das Stift ist, wie es Pater Wolfgang formuliert, die „Umwälzung von Immobilienbesitz“. Das heißt: das Abstoßen von ferner liegenden Gründen und Herstellen zusammenhängender Flächen, bei möglichst gleich bleibender Flächensubstanz. „Durch den Bau des Donaukraftwerks Melk und zuletzt durch den Ausbau der Westbahn haben wir wertvollen, dem Stift nahen Grund verloren.“ Immer wieder wird klösterlicher Grund auch von den Kommunen als Bauland benötigt. „Da kann das Stift nicht nein sagen.“ Nach dem Krieg habe man zu solchen Zwecken Bauland günstigst abgegeben, unterdessen spielen ökonomische Überlegungen natürlich mit. Das Wort „Spekulation“ weist Pater Wolfgang in diesem Zusammenhang allerdings weit von sich: „Davon kann man nicht reden bei Besitzungen, die dem Stift seit neunhundert Jahren gehören.“

Von wirtschaftlicher Relevanz ist auch die Hausverwaltung: Das Stift besitzt zwei größere Liegenschaften im Wien, mit derzeit rund hundert Wohnungen. „Erst unlängst haben wir die Dachböden ausgebaut und weiteren Wohnraum geschaffen.“

„Mit den Einkünften aus dem Tourismus als Polster haben wir uns als eines der ersten großen Stifte in Österreich an die Restaurierung gewagt“, erinnert sich Pater Wolfgang. Siebzehn Jahre dauerte die Bautätigkeit im riesigen Gebäudekomplex. In dieser Zeit sind gut zweihundert Millionen Schilling (über 14,5 Millionen Euro) in die alte Bausubstanz geflossen. 85 Millionen Schilling (über sechs Millionen Euro) davon hat das Stift aus eigenen Mitteln aufgebracht.

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