Eine Krebserkrankung ist ein tiefer Einschnitt im Leben. Das Recht auf Vergessenwerden betrifft deshalb viele Menschen in unserem Land, oft leise, oft im Verborgenen, aber mit großer Bedeutung für die Zeit nach einer überstandenen Erkrankung.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Millionen Menschen leben mit oder nach einer Krebserkrankung. Dank des medizinischen Fortschritts überleben heute deutlich mehr Betroffene langfristig als noch vor wenigen Jahrzehnten. Das ist eine große gesellschaftliche Errungenschaft.
Mit der medizinischen Genesung endet der Kampf oft nicht
Mein Dank gilt den Ärztinnen und Ärzten, den Forschenden, den Pflegekräften und allen Beschäftigten im Gesundheitswesen. Mit ihrem Einsatz verbessern sie Therapien, schenken Hoffnung und begleiten Menschen in den schwersten Stunden ihres Lebens. Ebenso danke ich den Familien, Angehörigen und Freunden, die mittragen, mitkämpfen und Halt geben.

Doch mit der medizinischen Genesung endet der Kampf oft nicht. Viele erleben auch Jahre später noch Nachteile, etwa beim Abschluss einer Versicherung, bei der Berufswahl oder bei der Vergabe eines Kredits. Obwohl sie als geheilt gelten, begegnet ihnen weiterhin Misstrauen. Das ist weder gerecht noch zeitgemäß.
Deshalb setzt sich eine deutschlandweite Initiative für ein Recht auf Vergessenwerden ein. Wer nach einer bestimmten Zeit als geheilt gilt, soll eine überwundene Krebserkrankung nicht dauerhaft offenlegen müssen, wenn sie für die jeweilige Entscheidung keine sachliche Bedeutung mehr hat. Niemand sollte wegen einer überstandenen Krankheit ein Leben lang benachteiligt werden.
Diese Zeilen schreibe ich als Betroffener
Der SPD-Parteivorstand hat deshalb beschlossen, den Weg für eine gesetzliche Regelung zu ebnen. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil soll ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen, damit der Deutsche Bundestag zeitnah darüber beraten kann. Das wäre ein wichtiger Schritt für Millionen Betroffene und ihre Familien.
Diese Zeilen schreibe ich nicht nur als Bundestagsabgeordneter, sondern auch als Betroffener. Im Jahr 2024 erhielt ich selbst die Diagnose Krebs. Ich weiß, was diese Nachricht auslöst, welche Ängste sie mit sich bringt und wie viel Kraft der Weg zurück ins Leben kostet. Heute kann ich mit großer Dankbarkeit sagen: Ich habe diesen Kampf gewonnen. Auch deshalb liegt mir dieses Anliegen besonders am Herzen. Wer den Krebs besiegt hat, sollte nicht ein Leben lang gegen seine Folgen kämpfen müssen. Ein Recht auf Vergessenwerden ist deshalb ein Gebot der Fairness, der Würde und der sozialen Gerechtigkeit.
Der Autor ist SPD-Bundestagsabgeordneter aus Hannover und außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
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