9. Juli: Die Wochenheilige

Die heilige Veronica Giuliani

Veronica Giuliani wurde 1804 selig- und 1839 heiliggesprochen. Veronica lebte eine Brautmystik, die von der Passion Christi geprägt war.
Heilige Veronica Giuliani
| Nachdem sie drei Jahre lang bei Wasser und Brot gefastet hatte, empfing Veronica Giuliani 1697 die Wundmale Christi.

Zu den schönsten Katechesen Benedikts XVI. gehören jene der Jahre 2010 und 2011, die heiligen Frauen gewidmet sind. Am 15. Dezember 2010 sprach er über die heilige Veronica Giuliani, eine Mystikerin aus dem Orden der Klarissen-Kapuzinerinnen, die im Hauptaltar ihrer Klosterkirche im umbrischen Città del Castello beigesetzt ist. Ihr Gedenktag ist der 9. Juli.

Veronica Giuliani, die am 27. Dezember 1660 in Mercatello sul Metauro bei Urbania geboren und auf den Namen „Orsola“ getauft wurde, war von frühester Jugend an mystisch begabt. Als Kleinkind sprach sie mit den Heiligenbildern, die in ihrem Elternhaus an der Wand hingen, und spürte, dass diese ihr antworteten. In der Messe sah sie im Augenblick der Elevation der geweihten Hostie Jesus und gab ihrem Entzücken mit kindlichen Worten Ausdruck. Mit sechs Jahren verlor sie ihre Mutter, die sie auf dem Sterbebett dem heiligsten Herzen Jesu anvertraute. Beim Empfang der Erstkommunion mit zehn Jahren vernahm sie innerlich die Stimme Jesu, der zu ihr sagte: „Denk nur an mich! Du sollst meine geliebte Braut sein!“

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50 Jahre als Schwester Veronica

Mit 17 Jahren trat Orsola in das Kloster der Klarissen-Kapuzinerinnen in Città del Castello ein, wo sie als „Schwester Veronica“ fünfzig Jahre lang lebte. Ihr Leben war so erfüllt mit Visionen, Ekstasen und besonderen Gnadengaben, dass ihr Beichtvater, Girolamo Bastinelli, mit Einverständnis des Ortsbischofs Antonio Eustachi ihr im Jahr 1693 auftrug, ein geistliches Tagebuch zu führen. So entstand ein Werk von über 22 000 handgeschriebenen Seiten, das heute 44 Druckbände umfasst. „Das Schriftbild ist natürlich und fließend, es gibt weder Streichungen noch Korrekturen, weder Satzzeichen noch eine Aufteilung des Stoffes in Kapitel oder Teile nach einem vorgefertigten Plan. Veronica wollte kein literarisches Werk verfassen“, so Benedikt XVI., sondern wurde im Gegenteil „dazu verpflichtet, ihre Erfahrungen niederzuschreiben“.

Geprägt von der Passion Christi

Veronica lebte eine Brautmystik, die von der Passion Christi geprägt war. Sie sehnte sich nach dem Leiden mit Christus, als Fürbitte für andere. 1694 wurde sie Novizenmeisterin und empfing im selben Jahr den Abdruck der Dornenkrone auf ihrem Haupt. Nachdem sie drei Jahre lang bei Wasser und Brot gefastet hatte, empfing sie 1697 die Wundmale Christi, was sie in ihrem Tagebuch so beschreibt: „Plötzlich sah ich aus seinen heiligen Wunden fünf helle Strahlen hervorgehen; und alle kamen auf mich zu. Und ich sah, dass diese Strahlen gleichsam zu kleinen Flammen wurden. In vier von ihnen waren die Nägel; und in einem war die Lanze, wie aus Gold, ganz durchglüht. Und sie durchstieß mein Herz von einer Seite zur anderen…, und die Nägel durchstießen Hände und Füße. Ich verspürte großen Schmerz; aber in diesem Schmerz sah ich, spürte ich, dass ich in Gott ganz verwandelt war.“

Solidarisches Miteinander in der Kirche

In ihrem theologischen Verständnis mutet Veronica recht modern an, besonders in zwei Punkten: in ihrem ausgeprägten Bewusstsein um die „Gemeinschaft der Heiligen“, das nicht die Rettung der eigenen Seele, sondern das solidarische Miteinander in der Kirche in den Mittelpunkt stellt, und in ihrer ungewöhnlich starken Verankerung in der Heiligen Schrift. Diese führt, so Benedikt XVI., „zu einem tieferen und ,geistlicheren‘ Verständnis des Textes; sie tritt ein in die verborgene Tiefe des Textes. Sie drückt sich nicht nur mit den Worten der Heiligen Schrift aus, sondern lebt auch wirklich von diesen Worten, sie erwachen in ihr zum Leben.“

In ihrer Klostergemeinschaft hatte Veronica viel zu leiden. Man hielt sie für eine Lügnerin, nahm ihr die Ämter weg, schloss sie aus dem Kapitel aus, verweigerte ihr die Kommunion und sperrte sie eine Zeitlang in eine Art Gefängniszelle. Die Wundmale wurden ärztlich untersucht, aber man konnte ihr keinen Betrug nachweisen. Alles ertrug Veronica mit innerer Ruhe. Schließlich wurde sie rehabilitiert und zur Äbtissin gewählt. Sie starb nach elf Jahren in diesem Amt am 9. Juli 1727 mit den Worten: „Ich habe die Liebe gefunden, die Liebe hat sich sehen lassen!“ Veronica Giuliani wurde 1804 selig- und 1839 heiliggesprochen.

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