Weltverfolgungsindex veröffentlicht

Christenverfolgung nimmt weltweit zu

Das christliche Hilfswerk "Open Doors" legt den aktuellen Weltverfolgungsidex für Christen vor. Demnach hat sich die Situation global verschärft.
Nordkorea - Plenarsitzung der Arbeiterpartei
Foto: - (kcna/kns) | Er duldet keinen Gott neben sich: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un bei einer Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.

Religionsfreiheit ist ein unveräußerliches Menschenrecht und fester Bestandteil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Trotzdem wird sie in vielen Staaten dieser Welt verletzt – auf unterschiedliche Art und Weise. Nach dem gestern im hessischen Kelkheim  veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2023 des christlichen Hilfswerks "Open Doors" hat sich die Verfolgung und Diskriminierung von Christinnen und Christen weltweit verschärft. Der Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks erscheint dieses Jahr zum 30. Mal. Seit 1993 zeigt er die Verfolgung und Diskriminierung von Christen in den 50 Ländern auf, in denen es für sie am gefährlichsten ist, ihren Glauben zu leben und zu bekennen. Besonders in islamisch dominierten Regionen sind Christen wegen ihres Glaubens Druck und Schikanen ausgesetzt – vor allem dort, wo sich die Rechtsprechung auf die Scharia gründet.

Lesen Sie auch:

Im Berichtszeitraum 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022 wurden mindestens  5.621 Christen wegen ihres Glaubens ermordet. Das sind über 80  Prozent mehr als vor fünf Jahren (3.066). Besonders in Nigeria und anderen Ländern Subsahara-Afrikas hat die Gewalt gegen sie erheblich zugenommen. Aus Nigeria wurden 4.726 Entführungen gemeldet, im Vorjahr waren mindestens 2.510 Christen betroffen. Wie ergänzend aus einer Aufstellung des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hervorgeht, wurden in dem westafrikanischen Land 2022 vier Priester ermordet. Weltweit sind im vergangenen Jahr mindestens 17 Priester und Ordensleute der katholischen Kirche eines gewaltsamen Todes gestorben. Insgesamt wurden mehr als 100 Priester und Ordensschwestern entführt, verhaftet oder getötet. Am 20. April veröffentlicht das Hilfswerk eine Neuauflage der Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“.

Auf dem ersten Platz steht Nordkorea

Den ersten Platz im neuen Weltverfolgungsindex von Open Doors belegt Nordkorea. Dazu heißt es: „In Nordkorea gibt es keine Religions- oder Glaubensfreiheit. Das Regime hat ein wachsames Auge auf alle Bürger. Wenn Christen entdeckt werden, werden sie und ihre Familien als politische Verbrecher in Arbeitslager deportiert oder auf der Stelle getötet. Treffen mit anderen Christen sind daher fast unmöglich und können nur unter strengster Geheimhaltung stattfinden. Das 2020 erlassene ,Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut' führt die Bibel unter den in Artikel 28 genannten verbotenen Büchern. Das zeigt, dass der Staat den christlichen Glauben immer noch als große Gefahr ansieht.“

Im Weltverfolgungsindex 2022 war Afghanistan an erster Stelle genannt worden. Die Situation für Christen im Land sei weiterhin extrem gefährlich. „Bei der Recherche für den neuen Index war jedoch meist nicht erkennbar, ob die Taliban Menschen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit oder Zusammenarbeit mit westlichen Streitkräften und NGOs ermordeten, oder weil sie Christen waren. Eindeutige Belege für Verfolgung wegen des Glaubens lagen oft nicht vor. Deshalb blieb die Zahl der dokumentierten Gewaltakte gering.“

Völlige Kontrolle allen kirchlichen Lebens

Auf den Rängen 2 bis 10 folgen Somalia, Jemen, Eritrea, Libyen, Nigeria, Pakistan, Iran, Afghanistan und der Sudan. Dort setze die Militärregierung seit dem Putsch im Oktober 2021 Kirchen wieder stark unter Druck, heißt es in der Dokumentation. Auf völlige Kontrolle allen kirchlichen Lebens, das sie durch strenge Gesetze und ideologischen Nationalismus ersticken wollen, würden autokratische Regime wie die Volksrepublik China setzen. China war erneut das Land, in dem die meisten Kirchen und kirchlichen Einrichtungen zerstört oder geschlossen wurden.

Auch in Indien sind Christen durch Anti-Bekehrungs-Gesetze in mittlerweile elf Bundesstaaten willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt. Sogar ein landesweites Gesetz sei geplant. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden mehr als 1 700 Christen ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, oft im Umfeld von Angriffen auf Tausende von Christen durch extremistische Hindus. Diese wurden jedoch meist nicht bestraft.

Christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten leiden

Unter Diskriminierung und Verfolgung leiden vor allem die christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. „Christen im Nordosten Syriens sind den Angriffen der Türkei auf ihre Dörfer ausgesetzt, bei denen Dutzende von Kirchen, christliche Friedhöfe, Schulen und andere wichtige Gebäude schwer beschädigt wurden“, heißt es in der Dokumentation. Deshalb würden viele ihre überwiegend von Christen bewohnte Region verlassen. Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben würden als potenzielle Unruhestifter und mitunter gar als Bedrohung der nationalen Sicherheit gelten. Die schlimmstmögliche Folge für Abkehr vom Islam sei die Todesstrafe.

Nach der Definition von Open Doors herrscht Verfolgung nicht nur, wenn der Staat Einzelne oder ganze Gruppen wegen ihres Glaubens einsperrt, verletzt, foltert oder tötet. Verfolgung bestehe auch dann, wenn Christen aufgrund ihres Glaubens beispielsweise ihre Arbeit oder ihre Lebensgrundlage verlieren oder  wenn etwa Kinder keine Schulbildung bekommen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Carl-Heinz Pierk Christliche Hilfswerke Kirche in Not Konvertiten Open Doors

Weitere Artikel

Eine Erhebung des Hilfswerks „Open Doors“ zeigt, dass Konvertiten trotz eines Taufscheins oftmals kein Asyl gewährt bekommen.
14.12.2021, 08 Uhr

Kirche

Kirchenführung durch Interviews wahrzunehmen, halte er für äußerst fragwürdig, so der DBK-Vorsitzende. Am „Synodalen Ausschuss“ will er weiter festhalten.
27.01.2023, 15 Uhr
In der EU zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Religionsfreiheit wird mehr und mehr auf Gewissens- und Meinungsfreiheit reduziert.
28.01.2023, 11 Uhr
Stephan Baier