Nigeria

Christen sind nicht sicher

Der Anschlag auf eine katholische Kirche in Nigeria zeigt, dass der Staat dort die Christen nicht schützt.
Angriff auf katholische Kirche im Süden Nigerias
Foto: Rahaman A Yusuf (AP) | Blick auf den Altar der katholischen Kirche St. Francis nach dem Angriff.

In Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Land, rückt der islamistische Terrorismus von Norden offenbar immer weiter vor in den dicht besiedelten und wirtschaftlich intensiv genutzten Süden des Landes. Der Anschlag auf die St. Francis-Xavier-Kirche in Owo während der Pfingst-Messe am vergangenen Sonntag ist vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung, die neben verschiedenen gesellschaftlichen Veränderungen in Afrika vor allem eines zeigt: Der Staat hat große Mühe, seine Bürger vor der seit Jahren anhaltenden Gewalt gegen unbescholtene Gläubige zu schützen.

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Leere Versprechen

Im Gespräch mit Radio Vatikan kritisiert der emeritierte Erzbischof der Diözese Abuja, Kardinal John Onaiyekan, die Regierung verspreche regelmäßig, die Mörder zu verfolgen, tue aber de facto nichts. "Es ist nicht das erste Mal, dass bewaffnete Männer unschuldige Menschen angreifen, aber was am Pfingsttag passiert ist, ist besonders schockierend." Die Regierung verurteile die Vorfälle und dann passiere nichts. "Wir warten. Es ist schrecklich. So etwas sollte in keinem Land passieren."

In einem Beileidstelegramm vom Dienstag zeigte sich Papst Franziskus "tief betroffen" über das durch die "unsägliche Gewalt" verursachte Leid. Bereits am Sonntag hatte er die Opfer seines Gebetes versichert.

Mit Blick auf die verbreitete Straflosigkeit in Nigeria forderten auch Vertreter des Katholischen Laienrates (CLC) in Nigeria die Festnahme der Angreifer und eine Ahndung des Verbrechens "nach den Gesetzen des Landes".

Bauern und Nomaden im Konflikt

Tatsächlich sind es vor allem Worte des Bedauerns, die den regelmäßigen Attentaten und Entführungen radikal-islamistischer und krimineller Gruppen in Nigeria folgen. So sprach Nigerias Präsident Muhammadu Buhari nach der Attacke an Pfingsten mit mehr als 20 Todesopfern und zahlreichen Verletzten von einem "abscheulichen Mord an Gläubigen". Laut der Sprecherin der Polizei des betroffenen Bundesstaates Ondo,

Ibukun Odunlami, wurde der Angriff mit Schusswaffen und Sprengstoff verübt. Die Sicherheitslage in Nigeria ist seit langem angespannt. Zuletzt erlebte es eine neue Welle der Gewalt. Es ist allerdings das erste Mal, dass ein großer Anschlag auf eine Kirche im überwiegend christlichen Süden verübt wurde. Viel deutet darauf hin, dass es um einen Konflikt zwischen sesshaften christlichen Bauern und muslimischen Nomaden vom Stamm der Fulani geht. Aus der dicht besiedelten Region um Owo wurden zuletzt Spannungen zwischen der einheimischen bäuerlichen Landbevölkerung und Fulani-Nomaden gemeldet, die als Hirten vielfach aus dem Norden eingewandert sind. Das ist politisch hochbrisant, da Nigerias Präsident Muhammadu Buhari selbst Fulani ist. Hinzu kommt, dass 2023 die Präsidentschaftswahl ansteht.

Aufstrebende Separatisten 

Nach achtjähriger Amtszeit sieht Buharis Bilanz eher dürftig aus, vor allem mit Blick auf sein zentrales Wahlversprechen, den Terrorismus radikal-islamischer Gruppen wie Boko Haram erfolgreich zu bekämpfen. Mehr denn je droht der einst stolze Vielvölkerstaat Nigeria an inneren Spannungen zu zerbrechen.

So werden Sezessionsbewegungen wie die der Yoruba stärker. Kein Wunder, wer lebt schon gerne in einem Staat, in dem jene um ihr Leben fürchten müssen, die ihren Glauben offen bekennen? Das könnte Folgen für ganz Afrika haben, denn das große Nigeria mit seinen mehr als 200 Millionen Menschen stand Jahrzehnte lang auch für die Einheit des gesamten Kontinents   mit seiner Vielfalt, mit seiner kolonialen Vergangenheit, mit seiner wirtschaftlichen Stärke.

Eine Essenz Afrikas am Golf von Guinea. Der Stolz auf die Nation und das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte verbindet die Völker Nigerias bis heute und ist Grundlage für ein gemeinsames nationales Empfinden. Wenn dies schwindet, könnte das Separatisten in anderen Teilen des Kontinents beflügeln. Als gäbe es nicht schon genug Herausforderungen   Dürren im Osten und Westen des Kontinents, drohende Hungersnöte wegen ausbleibender Getreideimporte aus der Ukraine, die Covid-19-Pandemie.

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