Nach Lulas Wahlsieg

Brasilien ist gespalten

Nach dem Wahlsieg von Herausforderer Lula wird es schwierig sein, die brasilianische Gesellschaft wieder zu einen, meint Anja Czymmek von der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Anhänger des Wahlsiegers Luiz Inacio Lula da Silva
Foto: IMAGO/Ivan Abreu (www.imago-images.de) | Anhänger des Wahlsiegers Luiz Inacio Lula da Silva feiern in Belo Horizonte.

Brasilien erlebte in den vergangenen Wochen einen aufgeheizten und schmutzigen Wahlkampf, bei dem es hauptsächlich um Religion, Korruption und Wirtschaft ging. Dabei standen sich Bolsonaro und Lula in nichts nach. Der amtierende Präsident beschimpfte seinen Herausforderer, ein Dieb zu sein, der Kirchen und Religionsgemeinschaften abschaffen wolle und Lulas Wahlkampfteam antwortete darauf, indem es Bolsonaro vorwarf, ein Kannibale und Pädophiler zu sein.

Die Wahl hat Brasilien elektrisiert

In den Sozialen Medien, die in Brasilien eine wichtige Rolle spielen und aus denen viele Menschen ihre Informationen beziehen, kochte die Stimmung fast über. Die Wahl hat Brasilien elektrisiert, die Polarisierung durchzieht Familien und Freundschaften. Es wird schwierig sein, die Gesellschaft wieder zu einen. Für den Sieger Lula dürfte das Regieren folglich nicht einfach werden. Er muss sich auch um die Unterstützung der Abgeordneten und Senatoren bemühen. Bolsonaros Partei bildet ab 2023 die stärkste Fraktion im Kongress. Um einen Dialog herzustellen, wird es dabei auf Lulas politisches Verhandlungsgeschick ankommen. Er ist vor allem auf ideologiefreie Parteien des sogenannten Centrão angewiesen.

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Für Deutschland und Europa gilt es, mit Brasilien auf Augenhöhe zu agieren. Das Land ist die größte Demokratie in Südamerika und ein strategischer Partner. Zudem hat es Potenzial, sich zu einem der wichtigsten Exporteure von sauberer Energie wie grünem Wasserstoff zu entwickeln. Außerdem absorbiert der brasilianische Regenwald einen Großteil der klimaschädlichen Treibhausgase. Brasilien ist ein wichtiger Lieferant von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie ein bedeutender Partner in diversen Politikfeldern. Für die internationale Zusammenarbeit sind die Mitgliedschaft in der UNO, der G20 und im südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosul hervorzuheben. Die Beziehungen zu Brasilien sind folglich äußerst relevant für Deutschland.

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