Wien ficht Urteil zu Eizellspende an

Wien (DT/KAP) Österreich ficht das im April gefällte Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) an, das besagt, dass Österreich mit seinem Verbot von Eizell- und Samenspenden für Befruchtungen im Labor gegen das Grundrecht auf Schutz der Familie verstößt. Nach eingehender Analyse der Entscheidung habe Österreich die Verweisung der Sache an die Große Kammer des EGMR beantragt, weil es sich um eine „schwerwiegende Frage von allgemeiner Bedeutung und um eine schwerwiegende Frage der Auslegung und Anwendung der Europäischen Menschenrechtskommission“ handle, betonte das Justizministerium gegenüber „Kathpress“. Im Revisionsantrag werde nun betont, dass die österreichische Gesetzeslage mit dem Fortpflanzungsmedizingesetz versuche, sowohl der Achtung der Menschenwürde, der Wahrung des Kindeswohls und der Respektierung des Rechts auf Fortpflanzung gerecht zu werden, erklärte das Justizministerium.

Ein wesentliches Anliegen des Gesetzgebers sei es, Missbrauch zu verhindern und „die mögliche und in manchen Ländern reale Ausbeutung, Erniedrigung und Belastung von Frauen möglichst auszuschalten und zurückzudrängen“. Zur Erreichung dieses Ziels werde in Kauf genommen, dass die Methoden der medizinisch unterstützten Fortpflanzung nicht allen Wunscheltern oder Wunschelternteilen zulässigerweise zur Verfügung stehen, hielt das Justizministerium fest. Die aus einer Zulassung der In-vitro-Fertilisation (IVF) unter Verwendung von Eizellen Dritter resultierende Aufspaltung der Mutterschaft in eine „biologische“ einerseits und eine „austragende“ andererseits und möglicherweise eine dritte „soziale“ würde die Gefahr schwerster Konflikte für die betroffenen Kinder und Frauen in sich tragen. Schließlich sei in Betracht zu ziehen, dass Kinder Aufklärung über ihre wahren Abstammungsverhältnisse erhalten möchten, was ihnen meist nicht möglich sei, wenn Spendersamen oder eine Eizellspende im Spiel ist.

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