Washington

USA: Gleichgeschlechtliche Sexualität für junge Katholiken immer mehr Normalität

Unter jungen Katholiken in den USA ist die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Sexualität in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten.
Homosexualität in den USA
Foto: Michael Reynolds (EPA) | Im Allgemeinen bekannten sich jene Katholiken, die mindestens einmal wöchentlich den Gottesdienst besuchten und aussagten, dass ihre Religion „sehr wichtig“ in ihrem Alltag sei, weniger zu liberalen Ansichten über ...

In der katholischen Online-Zeitschrift „Crisis Magazine“ befasst sich David Ayers, Professor für Soziologie am christlichen „Grove City College“ in Pennsylvania, mit den Ergebnissen der letzten, alle zwei Jahre vom Nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik (National Survey of Family Growth, NSFG) erhobenen Umfragen. Er habe die von den Centers for Disease Control and Prevention - eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums – veröffentlichten Resultate über die Einstellungen katholischer Jugendlicher und junger Leute im Alter von 15 bis 27 Jahren von 2011 bis 2013 mit denen von 2017 bis 2019 sowie mit denen junger Menschen anderer Glaubenseinstellungen verglichen: mit den sogenannten „Nones“, die keinerlei Religion anhängen, und den drei größten Flügeln des Protestantismus: mit evangelikalen, den „Mainline“ sowie den traditionellen „schwarzen Kirchen“. 

Kaum Unterschiede zwischen Katholiken und Mainline-Protestanten

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Um die moralische Akzeptanz von Homosexualität zu messen, habe das NSFG die Umfrageteilnehmer gefragt, ob sie der Aussage „sexuelle Beziehungen zwischen zwei Erwachsenen desselben Geschlechts sind in Ordnung“ zustimmen oder nicht. Bei den 15- bis 27-Jährigen sei, laut der Statistik, die Zustimmung unter den katholischen jungen Menschen zwischen 2011/2013 bis 2017/19 stark angestiegen. Dieser Ansicht seien nunmehr die allermeisten der sich als katholisch bezeichnenden jungen Leute – nämlich 75 Prozent (2017/2019) gegenüber 54 Prozent (2011/2013) der Männer und 85 Prozent der Frauen (2017/2019) gegenüber 77 Prozent (2011/2013). Nur die „Nones“ waren noch liberaler.

Zudem unterscheiden sich diese Katholiken kaum von den Mainline-Protestanten, deren Denominationen Homosexualität, homosexuelle Geistliche und die gleichgeschlechtliche „Ehe“ weitgehend offiziell anerkannt haben.

Im Allgemeinen bekannten sich jene Katholiken, die mindestens einmal wöchentlich den Gottesdienst besuchten und aussagten, dass ihre Religion „sehr wichtig“ in ihrem Alltag sei, weniger zu liberalen Ansichten über die Homosexualität. Unter den Katholikinnen sei die Akzeptanz jedoch besonders stark angewachsen. So sei beispielsweise der Anteil unter Frauen, für die der katholische Glauben sehr wichtig sei, bei der Akzeptanz der Homosexualität innerhalb von sechs Jahren von 33 Prozent auf 76 Prozent gestiegen.

Deutliche Wende bei jungen Frauen

Bei der Frage nach einer gleichgeschlechtlichen Anziehung der Umfrageteilnehmer ergab sich folgendes Bild: „Junge männliche Katholiken haben sich in diesem Zeitraum [von 2011/2013 bis 2017/2019] nicht verändert. Die veröffentlichten Daten von 2019 geben an, dass sich 93 Prozent der jungen Männer nur zu Frauen hingezogen fühlen, 5 Prozent meistens zu Frauen, und nur 2 Prozent fühlten sich ebenso, meistens oder ausschließlich zu Männern hingezogen“. Bei den jungen Frauen sei jedoch eine deutliche Wende erkennbar: Die Daten von 2019 zeigten, „dass sich nur etwas mehr als drei Viertel ausschließlich zu Männern hingezogen fühlen, wohingegen 13 Prozent sich nur ‚meistens‘ hingezogen fühlten. Ganze 10 Prozent sagten, sie fühlten sich ebenso, mehr oder nur zu Frauen hingezogen“.

Für David Ayers sind diese Fakten „bedrückend“. Dennoch hoffe er ernsthaft, „dass diese Realitäten keine Hoffnungslosigkeit oder Kompromisse, sondern ein aktives Handeln hervorrufen bei den katholischen Verantwortlichen – sowohl bei den Geistlichen als auch den Laien –, denen es ernsthaft um die Förderung der traditionellen katholischen und biblischen Lehre und Praxis in Bezug auf alle geschlechtlichen Praktiken und jede geschlechtliche Anziehung außerhalb der heiligen Ehe geht, einschließlich gleichgeschlechtlicher sexueller Beziehungen“. 

Es sei klar, so Ayers weiter, dass die katholische Kirche ihre Sache besser machen müsse bei der „Unterweisung gläubiger junger Menschen in Bezug auf die Sexualität“, die in der „reichhaltigen Theologie, Anthropologie und der Lehre über Ehe und Familie“ verankert sein müsse, wie es „in der katholischen Kirche seit vielen Jahrhunderten“ der Fall war. Besonders jungen Frauen gegenüber müsse mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, „da sie offensichtlich anfälliger als Männer für die homosexuelle Ideologie und Versuchung sind. Junge Katholiken müssen dazu ermuntert werden, den Gottesdienst regelmäßig zu besuchen. Doch die Kirche muss die Kanzel, die Jugendgruppen und den Katechismusunterricht dazu nutzen, um mehr Wahrheit über Sexualität zu vermitteln – mit von Freundlichkeit durchdrungener Klarheit“. Darüber hinaus, so resümiert Ayers, „müssen junge Katholiken ermutigt werden, ihren Glauben in ihrem Lebensalltag anzuwenden, und nicht nur – wie es so schön heißt – ‚Sonntagschristen‘ (oder Schlimmeres) zu sein“.  DT/ks

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25.06.2021, 13  Uhr
Martin Lohmann
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