Unter einem guten Stern

Sant'Egidio Friedenstreffen in Rom: Italiens Ministerpräsident Enrico Letta kehrt ermutigt aus New York zurück: Der Primat der Diplomatie Von Guido Horst

Rom (DT) „Mut zur Hoffnung“ lautet das Thema des von der Gemeinschaft Sant’Egidio organisierten internationalen Friedenstreffens in Rom, das am Sonntagnachmittag mit einer Eröffnungsveranstaltung begonnen hat, für die sich auch der italienische Ministerpräsident Enrico Letta angekündigt hatte. Aber wie das mit der Hoffnung so ist. Der Regierungschef war soeben erst aus New York zurückgekommen, noch ganz beschwingt von der offensichtlich geglückten Vollversammlung der Vereinten Nationen. Doch dann ereilte ihn die Nachricht, dass Silvio Berlusconi seiner Koalitionsregierung das Vertrauen entzogen hat. Das Auditorium an der Via della Conciliazione war also gespickt voll mit Journalisten und Kameraleuten – die Gemeinschaft Sant’Egidio hätte sich nicht träumen lassen, einen derart prominenten und in allen Medien des Landes präsenten Auftakt ihres Friedenstreffens absolvieren zu können. Jeder erwartete, dass Letta einen ersten Kommentar zu dem Chaos abgeben würde, in das Berlusconi sein Kabinett und das ganz Land gestürzt hat. Wie oft sind in Italien auch kirchliche oder katholische Veranstaltungen ein Podium für Politiker, um die Tagespolitik anzusprechen.

Doch Letta ließ sich nicht beirren und sprach über – die Hoffnung. Was er in New York erlebt hätte, erklärte er mit einem klaren Bezug auf den Friedensappell von Papst Franziskus Anfang September, sei eine große Ermutigung, ganz im Sinne des Mottos, das Sant’Egidio für das Friedenstreffen gewählt hatte: Die Vereinten Nationen seien als ernstzunehmende Weltorganisation auf die Bühne der internationalen Politik zurückgekehrt, die Großmächte würden wieder gemeinsam die Wege der Diplomatie beschreiten, vor allem die Vereinigten Staaten und Russland hätten sich zum Syrien-Konflikt auf ein gemeinsames Vorgehen geeint. Und dann erwähnte Letta noch das historische Telefonat zwischen Präsident Barack Obama und dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani, mit dem zwei Mächte, die seit 1979 Todfeinde sind, den ersten Schritt zur Verständigung unternommen hätten. Dies sei ein überaus erfreuliches Signal, so Letta, das weitreichende Folgen für den Friedensprozess im Nahen und Mittleren Osten haben könnte. Der Beginn der Konferenz von Sant’Egidio stand also unter einem guten Stern.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Friedenstreffens in Rom stehen der Syrien-Konflikt und die Lage im Nahen Osten. Etwa vierhundert Teilnehmer vertreten christliche Kirchengemeinschaften und andere Religionen sowie die Welt der Politik und der Kultur. Bei den mehr als dreißig Einzelveranstaltungen geht es auch um Armut und soziale Gerechtigkeit, um den christlich-islamischen Dialog, um Gewalt gegen Frauen und die Bedeutung der Medien für den Frieden. Zu den internationalen Friedenstreffen lädt Sant’Egidio jedes Jahr in eine andere Stadt ein. Vorbild ist das Weltgebetstreffen der Religionen für den Frieden, das auf Initiative von Johannes Paul II. erstmals im Oktober 1986 in Assisi stattfand. In diesem Jahr nehmen unter anderen der ägyptische Großmufti Schawki Ibrahim Allam und Rabbiner David Rosen, Direktor für interreligiösen Dialog im „American Jewish Committee“, an dem Treffen teil wie auch der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Johannes X. Yazigi, dessen Bruder vor fünf Monaten in Syrien gemeinsam mit einem anderen Bischof verschleppt wurde. Bereits am Freitagabend hatte sich die Gemeinschaft Sant’Egidio zum Friedensgebet für Syrien in der Basilika Santa Maria in Trastevere, versammelt, wo Patriarch Johannes dem Friedensgebet vorstand.

Themen & Autoren

Kirche