Strafrechtdebatte:Verbände kritisch

München/Bonn (KNA) Als „populistische Scheindebatte“ haben katholische Sozialverbände die Diskussion um die Verschärfung des Jugendstrafrechts bezeichnet. Die Rückfallquote jugendlicher Haftentlassener zeige, dass der Strafvollzug allein nicht das geeignete Mittel sei, um die Jugendlichen auf den richtigen Weg zu führen, erklärten der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der Katholische Verband für soziale Dienste in Deutschland (SKM) gestern in München. Zudem lösten verschärfte Strafen keine Integrationsprobleme. Die Verbände forderten dagegen gezielte Maßnahmen zur Prävention. Dazu gehörten eine nachhaltige Betreuung durch Fachkräfte in der Jugendhilfe und bessere Bildungschancen. Nur ein Zusammenspiel von Jugendstrafrecht und Erziehungshilfe könne in schwierigen Fällen helfen. Deshalb sprachen sich beide Organisationen für die Einrichtung von „Clearingstellen“ aus, die erzieherische Maßnahmen planen, begleiten und durchführen sollen. Dafür müsse die Politik ausreichende Mittel zur Verfügung stellen.

Mehr Mut zur Erziehung fordert der künftige Bischof von Limburg, Franz Tebartz-van Elst. Er mahnte eine „Ethik der Verantwortung“ an. Auf ihrem Weg zu einem verantwortlichen Leben müssten junge Menschen „geprägt“ und „geformt“ werden, sagte er in „Radio Vatikan“. Dabei hätten die Kirchen und alle Christen eine besondere Verantwortung. Ohne Besinnung auf eine gemeinsame Basis könnten gesellschaftliche Probleme nicht gelöst werden.

In den vergangenen Wochen hatten Fälle von Jugendgewalt bundesweit für Aufsehen gesorgt. Am 20. Dezember prügelten ein 20-Jähriger und ein 17-Jähriger einen Rentner in München fast zu Tode. An Neujahr verletzten drei Jugendliche ebenfalls in München zwei 45-jährige Männer mit Tritten am Kopf. In Berlin schlugen ein 17- und ein 19-Jähriger einen 51-Jährigen, nachdem dieser darum gebeten hatte, keine Knallkörper mehr auf den Bahnsteig zu werfen.

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