Spätabtreibung: Kritik an Zypries

Berlin (DT/KNA) Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) hat Äußerungen von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ (Sonntagsausgabe) kritisiert. Zwar begrüßte die ALfA-Vorsitzende Claudia Kaminski am Montag, dass Zypries zum Thema Spätabtreibungen klargestellt habe. „Ein Leben mit Behinderung ist genauso wertvoll, wie eines ohne.“ Es zeuge aber von großer Einfallslosigkeit, wenn die Ministerin im gleichen Interview erkläre: „Es wird Konstellationen geben, in denen eine Frau sagen wird: Das geht über meine Kraft (...). Dann können wir einfach nicht verlangen, dass die Frau daran etwa psychisch zerbricht.“

„Eltern, die mit der Nachricht einer vermuteten oder tatsächlichen Behinderung ihres Kindes konfrontiert werden und daran zu zerbrechen drohen, brauchen Hilfe, keine Tötungserlaubnis“, betonte Kaminski. Bedauerlich sei auch, dass die Bundesjustizmisterin das Interview nicht genutzt habe, daran zu erinnern, dass vorgeburtliche Kindstötungen, die bis zur 12. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden und denen eine Beratung vorausgegangen ist, auch nach den geltenden rechtlichen Bestimmungen „rechtswidrig“ sind, und stattdessen lieber von „zulässig“ spricht.

Bundesjustizministerin Zypries hatte gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“ erklärt, ein Leben mit Behinderung sei „genauso wertvoll wie eines ohne“. Zugleich forderte Zypries dazu auf, schwangere Frauen, die ein behindertes Kind abtreiben wollen, umfassender als bisher zu beraten: „Die bestehende Beratungspflicht muss ernster genommen werden.“ Eine von der Union geforderte umfassendere gesetzliche Beratungspflicht vor Spätabtreibungen lehnte Zypries erneut ab. Die SPD-Fraktion will am Dienstag Vorschläge der Union zur Spätabtreibung diskutieren. Zypries nannte es „erschreckend“, dass Frauen „sich geradezu dafür rechtfertigen müssen, wenn sie sich für ein behindertes Kind entscheiden“.

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