Presse: Pontifikat der Menschenrechte

Die Mailänder Tageszeitung „Avvenire“ kommentiert die Neujahrsansprache des Heiligen Vaters an das Diplomatische Korps:

Benedikt XVI. spürt, dass der Westen schwach ist und unsicher in Bezug auf die eigenen Ideale. Er stellt die Religionsfreiheit in den Mittelpunkt der internationalen Arbeit des Heiligen Stuhls und ruft die nationalen und internationalen Autoritäten auf, die Glaubensfreiheit an die Spitze der universalen Rechte zu stellen und sie in allen Teilen der Erde unter Schutz zu stellen. Auch aus diesem Grund kann das Pontifikat von Joseph Ratzinger als Pontifikat der Menschenrechte, des Schutzes der Gläubigen jeder Religion gegen Gewalt und Übergriffe betrachtet werden.

Unwegsamer Pfad zur Versöhnung

In Paris äußert sich „La Croix“ zu dem von der spanischen Untergrundorganisation ETA verkündeten Waffenstillstand:

Friedensverhandlungen sind ein langer Prozess. Noch länger ist der Weg zur Versöhnung. Auf diesem unwegsamen Pfad gehen Enttäuschungen und Hoffnung Hand in Hand. Oft ist der Waffenstillstand nicht vollkommen. Aber er ist möglich. Man hat es in Irland gesehen; in Spanien wird er jetzt am Horizont sichtbar. Gewalt und Terror sind eine Sackgasse. Wir müssen daran glauben, dass sie nicht das letzte Wort haben.

Hass ist keine Antwort auf das Böse

Die US-amerikanische Wochenschrift „The National Catholic Reporter“ bedauert das polemische Klima im Zuge des Attentats auf die Politikerin Gabrielle Giffords:

Es gibt einen Grund, sich den giftigen, hasserfüllten Reden aller linken und rechten Demagogen, die andere verteufeln, zu widersetzen: Die Tatsache, dass ihre Reden giftig und hasserfüllt sind und dass sie andere verteufeln – vor allem aber, dass sie keinen Bezug zur Realität haben. Sie müssen nicht erst Gewalt erzeugen, um verwerflich zu sein. Der Wunsch, angesichts der Tragödie nach einem Grund zu suchen, nach einer Erklärung für das Böse, das so viele unschuldige Opfer gefordert hat, ist verständlich. Aber manchmal gibt es im Leben keine Gründe, keine klaren Zusammenhänge, die gewisse Tragödien erklären können. Daran sollte man denken, bevor man versucht, jene zum Schweigen zu bringen, deren Recht auf Torheit vom Ersten Zusatzartikel der Verfassung gewährleistet wird.

Südsudan: Schwierige Zeiten

Die Wochenzeitung „The Southern Cross“ (Kapstadt) beurteilt die Lage im Sudan angesichts des Referendums zur Abspaltung des Südens:

Die Erwartungen gegenüber einem erfolgreichen Übergang zur Demokratie mögen hoch sein, aber einfach wird es nicht. Der Südsudan als multikulturelle Gesellschaft muss sich in Acht nehmen vor Stammesdenken und darf als Land mit reichen natürlichen Ressourcen keinerlei Form von Korruption tolerieren. Als junge Demokratie in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Länder und Enklaven, die von skrupellosen Kleptokraten regiert werden, muss es sich wappnen gegen Übergriffe durch jene, die sich bereichern wollen. Die internationale Gemeinschaft muss den demokratischen Einrichtungen des Südsudan Unterstützung und Mittel geben.

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