PRESSE: Gemeinwohl ist Parteibuch der Katholiken: Die Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ kommentiert die Eröffnungsansprache von Erzbischof Bagnasco zur Tagung der Italienischen Bischofskonferenz:: Liturgische Pferde ausgebrochen: Die jesuit

Bagnasco achtet darauf, nicht Partei zu ergreifen, sondern in der Mitte zu bleiben. Ziel der Katholiken in der Politik sei das Gemeinwohl. Dies ist „das Parteibuch, dessen wir bedürfen“. Das zeigt, wo die Katholiken stehen. Wenn der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz von „unantastbaren Werten“ und ethischem Notstand spricht, weist er die Katholiken damit nicht in die Schranken, sondern erklärt, dass das Urteil der Kirche dem „gemeinsamen Erbe der Menschheit“, dem natürlichen Sittengesetz entspringt.

Zur Vorbereitung auf die Einführung der neuen Texte haben die US-Bischöfe ein ehrgeiziges katechetisches Programm angekündigt. Verschließt man so nicht die Kirchentüren, nachdem die liturgischen Pferde ausgebrochen sind? Keine Katechese wird Katholiken, die anderer Meinung sind, überzeugen, dass die neuen Übersetzungen besser sind als die alten. Das Beste, was die Bischöfe tun können, ist, die Katholiken an die Zentralität der Eucharistie zu erinnern, „Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“, denn die Messe ist nach wie vor der Ort, an dem die Katholiken Gott zutiefst begegnen – und daran, dass die Einladung allen gilt, nicht nur vielen.

Der Papstbesuch in Großbritannien fand am Vorabend des New Yorker Gipfeltreffens statt, wo die Großen der Welt versammelt sind, um über die Fortschritte hinsichtlich der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) zu sprechen. Alle britischen Regierungen (und Päpste) haben sich darauf verpflichtet. Großbritannien leistet verhältnismäßig mehr Entwicklungshilfe als jede andere G8-Nation; es wird 2013 als erstes Land das Ziel von 0,7 Prozent BIP erreichen. Italien kommt nur auf 0,15 Prozent. Die britische Regierung hat den Heiligen Stuhl als wichtigen Partner entdeckt – nicht aufgrund von Reichtum und Macht, sondern aufgrund von Weisheit und Einfluss. Papst Benedikt sagte in der Generalaudienz, dass der Staatsbesuch eine wichtige neue Phase in den Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Heiligen Stuhl eingeleitet hat. Diese Beziehungen sind nicht nur für die Menschen in Großbritannien wichtig, sondern für die Armen in aller Welt.

Es ist widersprüchlich, dass jemand, der mit jüdisch-christlichen und humanistischen Traditionen argumentiert, im selben Atemzug Menschen aufgrund ihrer Religion als rückständig abtut. Wer sich auf seine jüdisch-christlichen und humanistischen Wurzeln beruft, sollte wissen, dass der Wert, der hier an erster Stelle steht, die Menschenwürde ist.

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