Portrait der Woche: Norbert Hofer

Norbert Hofer,  Bundesparteiobmann der FPÖ

Schärfer ist der Kontrast kaum denkbar: Wie das mittlerweile allseits bekannte Ibiza-Video Heinz-Christian Strache zeigt – betrunken um russisches Schwarzgeld buhlend, dabei in Autokraten-Manier für die Übernahme der „Kronen Zeitung“ Staatsaufträge in Aussicht stellend – nein, so kann sich einen Norbert Hofer wohl niemand vorstellen. Der 48-jährige Burgenländer ist das seriöse Gesicht der FPÖ. Und damit wohl deren letzte Rettung in Zeiten maximaler Peinlichkeit.

Der gelernte Flugtechniker errang in der finalen Runde der jüngsten Bundespräsidentenwahl 46 Prozent, das beste Ergebnis, das jemals ein FPÖ-Politiker auf Bundesebene erreichte: Gerade weil er nicht den polemischen Rabauken a la Strache gab, sondern den vertrauenswürdigen und verantwortungsbewussten Staatsmann.

Ein Gestalter in der FPÖ

Doch man täusche sich nicht: Der in zweiter Ehe verheiratete Familienvater Hofer ist kein verirrter Christdemokrat, der versehentlich bei der FPÖ landete, sondern einer der ideologischen und strategischen Gestalter seiner Partei. Im Interesse der FPÖ rückte er von Strache ab, der einen Moment lang gedacht zu haben scheint, zumindest in der Wiener FPÖ noch eine Rolle spielen zu können.

Im Interesse der Partei zog er die FPÖ-Minister aus der Bundesregierung ab, indem er an Innenminister Herbert Kickl festhielt, der für die ÖVP nicht länger akzeptabel war. Und ebenso im Interesse seiner Partei sandte Hofer am Montag versöhnliche Signale an SPÖ und ÖVP, streute den anderen Parteien bündelweise Rosen – ganz künftiger Koalitionspartner und staatstragender Vizekanzler in spe.

Norbert Hofer wirbt für „einen Weg der Vernunft“

Er versuche, „niemanden zu verletzen“, sagt Hofer treuherzig, und wirbt für „einen Weg der Vernunft“. Man ist gewillt, ihm zu glauben. Einem wie ihm kauft man einen Gebrauchtwagen ab. „Mir tut es unendlich leid, dass dieses großartige Projekt so zu Ende gehen muss“, sagt Hofer mit Dank „an alle Regierungsmitglieder“ und verspricht, „dass es keinen Schmutzkübel-Wahlkampf geben wird“.

Doch da sitzt der personifizierte Widerspruch direkt neben ihm und ergreift nach ihm das Wort: Der bisherige Innenminister und frühere FPÖ-Generalsekretär Kickl ist seit Samstag wieder in jenem aggressiven Wahlkampfmodus, der die FPÖ einst zur stärksten Opposition machte. Dass Hofer dem bisherigen Koalitionspartner öffentlich Respekt zollt, während Kickl der ÖVP zeitgleich „kalte und nüchterne Machtbesoffenheit“ vorwirft, ist kein Dissens, sondern ein FPÖ-Spiel mit verteilten Rollen. Die Arbeitsteilung der neuen FPÖ wurde am Montag schon sichtbar: Wie sich Kickl als Oppositionsführer profiliert, übt Norbert Hofer den Staatsmann.

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