Berlin

Porträt der Woche: Philipp Amthor

Der Weg des jungen CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor an die Spitze des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern schien unaufhaltsam. Doch nun wird ihm unlauterer Lobbyismus vorgeworfen.

CDU-Bundesparteitag
Bei der Basis letzten konnte Amthor zuletzt mit einem eindrucksvollem Schritt punkten: Amthor ließ sich katholisch taufen. Und nicht nur das, er konnte auch überzeugend erläutern, was ihm sein Glaube bedeutet. Foto: Kay Nietfeld (dpa)

Philipp Amthor hat ein Talent. Es liegt im Psychologischen. Amthor ruft Gefühle hervor, und zwar in extremer Weise, sowohl bei seinen Anhängern wie bei seinen Gegnern. Das erklärt, warum er in so kurzer Zeit für die Konservativen in der Union zum Hoffnungsträger werden konnte und wieso es seinen linken Kritikern so schwer fällt, in Amthor etwas anderes zu sehen als die Karikatur eines aus ihrer Sicht typischen CDU-Karrieristen. Im Moment scheint die zweite Gruppe die Deutungshoheit über das öffentliche Bild des Politikers beanspruchen zu können: Amthor wird unlauterer Lobbyismus vorgeworfen.

Auch in der Union hat er nicht nur Freunde

Der „Spiegel“ hat aufgedeckt, dass Amthor für das Unternehmen Augustus Intelligence bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geworben hat. Tatsächlich kam es zu einem Gespräch zwischen Vertretern des Unternehmens, das sich auf den Bereich der künstlichen Intelligenz spezialisiert hat, und dem Parlamentarischen Staatssekretär Christian Hirte  (CDU). Dabei wurde aber, so wie bisher bekannt, nichts vereinbart. Ein Geschmäckle bekommt die Sache dadurch, dass Amthor im Unternehmen einen Direktorenposten bekleidete und Aktienoptionen besaß. Beides hat er zurückgegeben und offen bekannt, er habe einen Fehler gemacht. An diesem Punkt könnte man sagen, ein Fehler sei es tatsächlich gewesen, aber im übrigen sei so eine Art des Lobbyismus auch nicht so ungewöhnlich. Eine Argumentation, die sich vor allem Amthors Parteifreunde zu eigen machen könnten, wenn sie ihn denn verteidigen wollten.

Aber da kommt nun eben die Emotion ins Spiel. Denn auch in der Union gibt es viele, die den bisher unaufhaltsam scheinenden Weg des Konservativen an die Spitze des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern und dann vielleicht sogar in die Staatskanzlei als Ministerpräsident nicht mit Freude gesehen haben. Dass sich bei Augustus auch Partei-Paria und Werteunion-Star Hans-Georg Maaßen engagiert, kommt diesen Kritikern gerade recht Aber was ist wichtiger? Die Gefühle der Funktionäre oder die  der Basis? Bei der letzten konnte Amthor zuletzt mit einem eindrucksvollem Schritt punkten: Amthor ließ sich katholisch taufen. Und nicht nur das, er konnte auch überzeugend erläutern, was ihm sein Glaube bedeutet.

Es hilft nur Demut

Dass Amthor schon wenig später in den Berliner Katholikenrat berufen wurde, deuten die Kritiker natürlich gleich wieder im Sinne ihrer Karrieristen-These. Gegenüber der „Tagespost“ hatte Amthor zu seiner Taufe damals erklärt, der Glaube lehre ihm vor allem Demut. Eine Eigenschaft, die ihm nun helfen kann, diese Krise zu überstehen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .