Moskau/Berlin

Porträt der Woche: Alexej Nawalny

Der mutmaßliche Giftanschlag auf Russlands Oppositionspolitiker Nawalny zeigt: Wer dem System Putins Widerstand leistet, lebt gefährlich.
Alexej Nawalny
Foto: Pavel Golovkin (AP) | Mit der Verurteilung wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen schloss man Nawalny 2018 von der Präsidentschaftswahl aus.
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Der 44-jährige Rechtsanwalt, Familienvater und Putin-Gegner Alexej Nawalny ist sehr mutig. Er hatte bereits in der Vergangenheit mehrere physische Attacken gegen sich überstehen müssen. Insgesamt siebenmal ist er schon verhaftet worden. Jetzt liegt Alexej Nawalny im Koma in der Berliner Charité. Die Klinik erklärte zu seinem Gesundheitszustand: „Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin. Die konkrete Sub-stanz ist bislang nicht bekannt (...) Die Wirkung des Giftstoffes, also die Cholinesterase-Hemmung im Organismus, ist mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen.“ Und: „Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.“

Moskau dementiert Giftanschlag

Erste Stellungnahmen aus Moskau wiegeln jedoch ab – es sei noch nicht erwiesen, dass es einen Giftanschlag gegeben habe. Daher werde auch nicht ermittelt. Wie wenig russische Behörden bei der Aufklärung bestimmter Verbrechen kooperieren, hatte zuletzt der „Tiergarten-Mord“ gezeigt: 2019 wurde in Berlin ein Tschetschene per Kopfschuss liquidiert. Die Generalbundesanwaltschaft nimmt an, dass der Mord im Auftrag staatlicher Stellen Russlands geschah.
Die Reihe von Morden und Mordversuchen mit Gift in mutmaßlich staatlichem russischen Auftrag ist lang. Giftköche waren früher schon nicht nur für das KGB, sondern auch für die Stasi tätig: Mit in Buletten gebackenem Thallium versuchte ein Stasi-Agent 1981 den deutschen Fluchthelfer Wolfgang Welsch in Israel zu ermorden. Das gelang beinahe und konnte nur mit viel Glück noch nachgewiesen werden.

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Bei der Bürgermeisterwahl in Moskau 2013 hatte Nawalny 27 Prozent der Stimmen erhalten. Unablässig zog er weiter gegen Korruption zu Feld.
Mit der Verurteilung wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen schloss man ihn 2018 von der Präsidentschaftswahl aus. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte schließlich 2018 festgestellt, dass das Vorgehen gegen Nawalny politisch motiviert war. Jetzt im September sind Regionalwahlen, und Nawalny hat auch landesweit für Unterstützer geworben.

Wie der Russlandexperte Stefan Meister erklärte, ist Nawalny „auf keinen Fall ein Liberaler nach westlichen Schemata“. Gerade deshalb sei er aber auch so erfolgreich. Denn auch Alexej Nawalny stehe für ein „patriotisches, starkes Russland“ – aber eben nur ohne Putin, ohne Korruption und ohne Oligarchen.

 

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