Papst würdigt heroische Christen

Franziskus fordert Solidarität mit Christen in Nahost – US-Bischöfe verlangen Stopp der Ausweisung irakischer Christen
28 Christen bei Angriff auf Bus in Ägypten getötet
Foto: dpa | Christen im Nahen Osten sehen sich immer wieder Gefahr durch Anschläge ausgesetzt. Papst Franziskus forderte die Ostkirchen dennoch auf, sich durch Flucht und Abwanderung ihrer Gläubigen nicht entmutigen zu lassen.

Rom/Washington/Bagdad (DT/KAP/KNA/Fides) Papst Franziskus hat Solidarität mit den bedrängten Christen im Nahen Osten eingefordert. Vor allem in Syrien, dem Irak und Ägypten litten sie „unter Krieg und sinnloser Gewalt durch fundamentalistische Terroristen“, sagte er am Donnerstag im Vatikan vor Vertretern von Hilfswerken für die Kirchen im Orient. Die Kirche dürfe nicht vergessen, dass diese Christen unabhängig davon, ob sie Katholiken, Orthodoxe oder Protestanten seien, ihr Blut für ihren Glauben vergießen würden.

Anlass der Äußerungen war die 90. Vollversammlung der Vereinigung der Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO) in Rom. Im Mittelpunkt der am Donnerstag beendeten ROACO-Vollversammlung stand die schwierige Lage der Kirchen in Ägypten, Syrien und im Irak. Darüber berichteten die päpstlichen Botschafter aus den drei Ländern. Auch der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Paul Richard Gallagher, nahm an der Sitzung teil. Die „Riunione Opere Aiuto Chiese Orientali“ (ROACO) wurde 1968 mit dem Ziel gegründet, die Hilfe für die katholischen Ostkirchen zu bündeln und zu koordinieren.

Die Ostkirchen forderte der Papst in seiner Rede auf, sich durch den teilweisen Zusammenbruch ihrer Strukturen durch Flucht und Abwanderung von Gläubigen nicht entmutigen zu lassen. „Die Ostkirchen hüten so viele ehrwürdige Erinnerungen, Kirchen, Klöster, Heiligenstätten – die müssen natürlich bewahrt und erhalten werden. Aber auch wenn es nicht mehr möglich ist, Strukturen wiederzubeleben oder beizubehalten, müssen wir weiterhin ein lebendiger Tempel des Herrn sein“, so Franziskus. Zugleich ermahnte Franziskus die Aufnahmeländer, christlichen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten die Bewahrung und Pflege ihrer eigenen kirchlichen Tradition zu ermöglichen. Die Priester im Nahen Osten rief Franziskus zu Bescheidenheit auf. Es dürfe ihnen nicht um den „sozialen Status“ gehen oder darum, eine Art Führungsrolle einzunehmen. Er wisse jedoch sehr wohl, dass in dieser Weltgegend die Entscheidung, Priester zu werden, oft eine geradezu „heroische“ sei.

Unterdessen drängen die katholischen Bischöfe in den USA die Trump-Regierung, die geplante Abschiebung von mehr als 100 irakischen Christen zu stoppen. In einem Brief an Heimatschutzminister John Kelly argumentieren sie, eine Zwangsrückkehr religiöser Minderheiten zu diesem Zeitpunkt ohne besondere Schutzpläne stünde nicht in Einklang mit den Bedenken über die Verfolgung von Christen im Irak. Mitte Juni hatten Beamte der US-Einwanderungsbehörde in einer Großaktion gezielt irakische Einwanderer ohne Papiere festgenommen. Unter den Verhafteten sind auch zahlreiche chaldäische Katholiken, die seit Jahrzehnten vor allem in der Großregion Detroit (Michigan) leben. Das Ministerium hält ihnen Strafhandlungen wie Mord und Vergewaltigung sowie Verwicklung in Drogenhandel vor. Die US-amerikanische Bischofskonferenz räumt in dem Schreiben ein, bei einigen der Verhafteten handele es sich um Kriminelle. Dennoch sprechen sie sich gegen eine Ausweisung aus, da sie im Irak als religiöse Minderheit verfolgt würden. Der Brief trägt die Unterschriften von Kardinal Daniel DiNardo aus Galveston-Houston, Bischof Oscar Cantu aus Las Cruces/New Mexico und Bischof Joe Vasquez aus Austin/Texas.

Auch die chaldäische Kirche beobachte nach Angaben des Pressedienstes Fides die von den US-Behörden unternommenen Schritte im Zusammenhang mit der Ausweisung der größtenteils christlichen Soldaten im Rahmen der neuen Maßnahmen zur Terrorbekämpfung „mit Trauer und Sorge“. Dies betont der chaldäische Patriarch Louis Raphael in einem Schreiben an den chaldäischen Bischof Frank Kalabat, der die chaldäische Eparchie des heiligen Apostel Thomas in Detroit leitet. Der Patriarch erklärt sich solidarisch mit den Angehörigen der betroffenen irakischen Staatsbürger und wünscht sich von der US-amerikanischen Regierungen eine Lösung für die humanitären Folgen der Ausweisungsbeschlüsse, die auch Väter von Kleinkindern betreffen, die in den USA den Lebensunterhalt für ihre Familien verdienen. Viele der ausgewiesenen Iraker seien seit langem in den USA wohnhaft und es bestehe keinerlei Verdacht gegen sie, der Sicherheitsmaßnahmen erforderlich mache.

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