Papst korrigiert Kardinal Sarah

Liturgische Texte in der Landessprache: Franziskus stärkt Bischofskonferenzen und widerspricht Liturgie-Präfekten. Von Guido Horst
Foto: KNA | Es sei falsch, wenn man die Übersetzung liturgischer Texte „von oben herab“, also durch die Liturgie-Kongregation, den Bischofskonferenzen „aufzwingen“ würde, so der Papst in einem Schreiben ...

Rom (DT) In beispielloser Weise hat Papst Franziskus den Präfekten der Liturgie-Kongregation, Kardinal Robert Sarah, öffentlich korrigiert. In einem Schreiben an den Kardinal, das am Sonntag bekannt wurde, widerspricht Franziskus einer Interpretation Sarahs der jüngsten Änderung von Kirchenrechts-Paragrafen zur Zusammenarbeit der nationalen Bischofskonferenzen mit dem Vatikan bei der Übersetzung und Anpassung liturgischer Bücher in den einzelnen Landessprachen – einer Interpretation, die der Kardinal unter dem Titel „Demütiger Beitrag für ein besseres Verständnis des Motu proprio ,Magnum Principium‘“ am 1. Oktober verbreitet hatte. Der Papst forderte den Kurien-Präfekten auf, seinen Brief allen Kreisen bekannt zu machen, denen der Kardinal zuvor seinen „Demütigen Beitrag“ zukommen ließ: also gewissen (traditionellen und konservativen) Internet-Seiten, allen Bischofs-Konferenzen und den Mitgliedern und Mitarbeitern der Liturgie-Kongregation.

Außerdem schreibt Franziskus am Ende seines Briefs, dass unter dem „Demütigen Beitrag“ Sarahs ein Kommentar stehe, der fälschlicherweise dem Kardinal zugeschrieben werde – was allerdings aus dem Erklärungsschreiben von Sarah nicht ersichtlich wird, da seine Unterschrift unter dem Kommentar steht. Damit hat ein dramatisches Kommunikations-Chaos seinen vorläufigen Abschluss gefunden, das es in vergangenen Jahrzehnten so noch nie im Vatikan gegeben hat. Die Materie ist kompliziert und für die Öffentlichkeit kaum durchschaubar. Hängen bleibt bei den an Kirche Interessierten allerdings, dass der Papst seinen Präfekten für die Liturgie nun ein zweites Mal zurückpfeift, nachdem eine Erklärung des Direktors des vatikanischen Pressesaals vom Juli 2016, damals noch Pater Federico Lombardi SJ, Kardinal Sarah klar widersprochen hat, der zuvor von London aus den Vorschlag gemacht hatte, die Zelebrationsrichtung der Priester „zum Herrn hin“ zu ändern und dabei von der dringend nötigen „Reform der Reform“ der Liturgie gesprochen hatte. Es sei besser, nicht von die „Reform der Reform“ zu sprechen, korrigierte damals Lombardi den Liturgie-Präfekten.

Der jetzige Rückpfiff Sarahs ist ein Drama in drei Akten. Erster Akt: Am 3. September erscheint das Motu proprio „Magnum Principium“, mit dem Franziskus zwei Paragrafen des Kirchenrechts-Kanons 838 ändert: Der erste (Can. 838, Paragraf 2) betrifft die Anpassung liturgischer Texte an Änderungen in der Landessprache, die zunächst von den Bischofskonferenzen zu approbieren seien und dann der „Recognitio“ (Überprüfung) durch den Heiligen Stuhl bedürften. Der zweite (Can. 838, Paragraf 3) betrifft die Neuübersetzung liturgischer Texte, die „fideliter“ (getreu zum lateinischen Original) zu erfolgen hätten, von den Bischofskonferenzen approbiert werden müssten und vor der Veröffentlichung noch die „Confirmatio“ (Bestätigung), nicht aber eine „Recognitio“ durch den Vatikan erhalten müssten. In der Öffentlichkeit war damals der Eindruck entstanden, bei Anpassungen der liturgischen Texte an Änderungen in den Landessprachen seien die Bischofskonferenzen nun freier und der Vatikan werde solche Übesetzungen in Zukunft nur noch abnicken.

Zweiter Akt: Am 1. Oktober taucht der in mehrere Sprachen übersetzte „Demütige Beitrag“ von Kardinal Sarah auf, der die Kodex-Änderung durch das Motu proprio des Papstes dahingehend kommentiert, dass auch die „Confirmatio“ (Bestätigung) kein formaler Akt sei, also eine „abgeschwächte oder verminderte Form der „Recognitio“, sondern eine sorgfältige Verifizierung durch den Heiligten Stuhl voraussetze, ob die Übersetzung auch wirklich „getreu“ sei. „Recognitio“ und „Confirmatio“ seien zwar keine Synonyme, aber „dennoch austauschbar“.

Dritter und vorläufig letzter Akt: Am Sonntag wird das Schreiben des Papstes an Sarah öffentlich, in dem Franziskus „ganz einfach erläutern“ und „klarstellen“ möchte, dass „Recognitio“ und „Confirmatio“ eben nicht austauschbar seien. Es sei falsch, so der Papst, wenn man die Übersetzung liturgischer Texte „von oben herab“, also durch die Liturgie-Kongregation, den Bischofskonferenzen „aufzwingen“ würde. Dies widerspreche dem Recht der Bischöfe.

Die „Confirmatio“ sei Franziskus zufolge zwar nicht als „einfacher formaler Akt“ zu verstehen, selbstverständlich müsse vor einer Veröffentlichung der Heilige Stuhl den Text überprüfen, aber eben nicht Wort für Wort, abgesehen von wichtigen Fällen wie Sakramentsformeln, Glaubensbekenntnis oder Vaterunser. Die letztliche Approbation falle der entsprechenden Bischofskonferenz zu. Bei der Übersetzung seien drei Aspekte besonders zu berücksichtigen: die Treue gegenüber dem lateinischen Original, die Besonderheiten der Landessprache sowie Verständlichkeit für die Zielgruppe.

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