Papst fordert Klarheit der Begriffe

Bioethik und Kirchenbild: Benedikt XVI. bekräftigt die Position der Glaubenskongregation – Mensch nie reines „biologisches Material“

Rom (gho) Nicht zuletzt im deutschsprachigen Raum und hier besonders in protestantischen Kreisen hatte sie für Aufsehen gesorgt: Eine Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation „bezüglich der Lehre über die Kirche“ vom 29. Juni vergangenen Jahres. Jetzt hat Papst Benedikt diese in fünf Fragen und Antworten gegliederte Note bekräftigt und bestätigt. Bei einer Ansprache vor der Vollversammlung der Glaubenskongregation bezeichnete er das Dokument als wichtig und klärend für den ökumenischen Dialog. Ebenso hob er die Bedeutung der „Lehrmäßigen Note über einige Aspekte der Evangelisierung“ vom Dezember 2007 hervor, mit der die Glaubenskongregation an die Pflicht der Kirche erinnert hatte, die allen Menschen und Völkern in Jesus Christus angebotene Rettung zu verkünden.

Während der Audienz ging Papst Benedikt auch auf die Exzesse in der Biotechnologie ein. Die Kirche habe sich nicht zu jedem Forschungsergebnis zu äußern. Aber sie müsse auf die fundamentalen Werte hinweisen, wenn diese gefährdet seien. Der Papst nannte zwei Hauptkriterien der Unterscheidung: Erstens die unbedingte Respektierung der Menschenwürde von Beginn des Lebens bis zum natürlichen Tod und zweitens das Festhalten am natürlichen Weg der menschlichen Zeugung durch den ehelichen Akt. Dass mit der künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers ein Damm zum Schutz der Menschenwürde durchbrochen werde, zeigten die damit verbundenen Folgen: Etwa das Einfrieren von menschlichen Embryonen, ihre Selektion, die Präimplantationsdiagnostik, die Forschung an embryonalen Stammzellen und die Versuche der Klonung von Menschen. Menschliche Wesen dürften nie als reines „biologisches Material“ betrachtet werden.

Was die Note der Glaubenskongregation angeht, so geht es für den Papst nicht um eine Behinderung der ökumenischen Bemühungen, sondern um den sprachlich korrekten Gebrauch der Begriffe. Beide Erklärungen stünden bis in die Begrifflichkeit hinein ganz und gar auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Klarstellung der Glaubenskongregation werde den ökumenischen Dialog anregen, weil realistischer das gesehen werde, was die Kirchen weiterhin trennt. Es gebe nur eine und einzige Kirche Christi, die ihre Subsistenz, Permanenz und Stabilität in der katholischen Kirche habe. Die Trennungen und Spaltungen der Christen hätten diese Unzerstörbarkeit der Kirche Christi nicht annullieren können.

Indem Papst Benedikt das Selbstverständnis der katholischen Kirche bekräftigt, möchte er nicht das Gespräch mit den anderen christlichen Konfessionen und Religionen beeinträchtigen. Vor allem aber richten sich seine Worte „nach innen“, an die katholische Kirche selber, in der sich in theologischen Schulen die Auffassung breit gemacht hat, die Eine Kirche Christi bestehe historisch in vielfältigen kirchlichen Ausformungen, die als gleichwertige nebeneinander stünden. Ähnliches haben viele Theologen mit Blick auf die nicht-christlichen Religionen formuliert. Angesichts der „Gefahr eines anhaltenden religiösen und kulturellen Relativismus“, so der Papst, bekräftigt er die unveräußerliche Identität der katholischen Kirche, wie sie das Zweite Vatikanum etwa in der Erklärung über die Religionsfreiheit erneut formuliert hat. (Siehe Wortlaut der Ansprache auf Seite 6.)

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