Berlin

Optionen erweitern? Dann aber mal richtig!

Weltweit sind mehrere Staaten dabei, die Euthanasie zu legalisieren. Notwendig ist das nicht. Menschen haben stets die Wahl. Ein Kommentar.

Debatte um assistierten Suizid
Der Gesetzgeber in Deutschland ist nicht dazu gezwungen, Regelungen zu ersinnen, die die von tollkühnen Richtern erfundenen Grundrechte exekutieren helfen. Foto: Bernd Thissen (dpa)

Die Euthanasie ist auf dem Vormarsch. Unaufhaltsam. Scheint so. In Portugal liegt Staatspräsident Rebelo de Sousa ein Gesetz zur Unterschrift vor, das die „Tötung auf Verlangen“ im Westen der Iberischen Halbinsel legalisieren würde. Im deutlich größeren Spanien wird erwartet, dass nach dem „Congreso de los Disputados“ auch der „Senado“ demnächst einer Gesetzesvorlage zustimmt, die es Ärzten erlaubt, volljährigen Sterbewilligen, die an einer „schweren und unheilbaren Krankheit“ leiden, totbringende Präparate zu verschreiben und – auf Wunsch – eigenhändig zu verabreichen. In Kanada soll die Regierung auf Verlangen eines Provinzhöchstgerichts bis zum 26. Februar ein Gesetz vorlegen, das die 2016 eingeführte Euthanasie auf chronisch Kranke ausdehnt.

Menschen haben stets die Wahl

In Österreich und Deutschland haben der Verfassungsgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht vergangenes Jahr das „Verbot der Hilfeleistung zum Selbstmord“ (§ 78) respektive das „Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ (§ 217) für verfassungswidrig erklärt und den Gesetzgebern die Aufgabe zugedacht, den assistierten Suizid nun gesetzlich neu zu regeln.

Doch der Schein trügt. Es gibt keinen Weltgeist, der am Steuer eines SUV's durch westliche Industrienationen führe und Staaten zwänge, Regelwerke zu ersinnen, nach denen sich Bürger einander straffrei den Tod zuteilen. Niemand kann Portugals Staatspräsident zwingen, seine Unterschrift auf ein Stück Papier zu setzen, niemand Spaniens und Kanadas Senatoren für Gesetzesvorlagen zu stimmen, die die jeweiligen Unterhäuser bereits passiert haben.

Und auch die Gesetzgeber in Österreich und Deutschland sind nicht gezwungen, Regelungen zu ersinnen, die die von tollkühnen Richtern erfundenen Grundrechte exekutieren helfen. Menschen haben stets die Wahl. Und das nicht bloß dann und wann. Sondern: Immer.

"Es gibt keine objektiven Werte"

Widerstand, der ein breites Kreuz oder ein wenig flexibles Rückgrat erfordert, ist dazu nicht einmal notwendig. Lethargie, die sich nicht von durchgeknallten „right-to-die-socities“ zum Jagen tragen lässt, reicht aus. Alternative: Warum die Zumutung nicht auf die Spitze treiben? Tötung auf Verlangen? Okay! Aber warum durch Ärzte? Warum nicht durch Sport- und Hobbyschützen? Die können das viel besser und haben ein bisschen Abwechslung verdient. Natürlich freiwillig! Soll schließlich niemand gezwungen werden! Ist schlecht für die Psyche! Dumm nur, für die Ärzte, deren Häuser da mitmischen wollen. Motto: Geld, stinkt nicht! „Es gibt keine objektiven Werte“ belehren gerade acht Juraprofessoren die Republik und küren den australischen Atheisten John Leslie Mackie zum erkenntnistheoretischen Allvater. Selten so gelacht! Aber dann: Sämtliche Optionen erweitern. Denn darum – und nur darum – geht es. Nur: Wenn es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben gibt, dann ist auch der Kannibale von Rottenburg, der sein „Opfer“ einvernehmlich verspeiste, gerechtfertigt. Also, Kannibalen aus den Löchern und an die Front! Der eine oder andere mutmaßliche Wille wird sich schon ermitteln lassen.

Die Wahrheit ist: Es gibt objektive Werte. Einander nicht zu töten ist einer von ihnen. Wer ihn über Bord wirft, ist selbst schuld. Es gibt keinen Zwang. Menschen haben immer eine Wahl. Richter, Abgeordnete, Ärzte – jeder.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.