Ob Genua, Berlin oder Washington

Der Kampf um die Gottesfrage findet längst schon wieder auf der Straße statt

Teuflisch, teuflisch. Ausgerechnet auf Routen in Vatikannähe sollten die Atheisten-Busse rollen. So hatte es die italienische „Vereinigung der rationalistischen Atheisten und Agnostiker“ geplant. „Die schlechte Nachricht: Es gibt keinen Gott. Die gute: Du brauchst ihn nicht“, lautete der Werbespruch, den die Ungläubigen probeweise schon einmal in Genua auf zwei Stadtbussen durch die Straßen fahren ließen.

Genua ist immerhin der Amtssitz des Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz. Bevor nun auch in Rom, Amtssitz des Vorsitzenden des Weltepiskopats, das Atheisten-Credo zum Einsatz gekommen wäre, machte die beauftragte Werbeagentur einen Rückzieher. Typisch Italien. Der Ewigen Stadt bleiben die Weisheiten der Gottlosen vorerst erspart. Wer Augen hat zum Sehen und Ohren zum Hören, dem wird es nicht entgehen: Der Kampf um die Gottesfrage findet längst wieder auf der Straße statt. Jetzt hat der italienische Innenminister verfügt, dass Massengebete der Muslime wie Anfang Januar vor dem Mailänder Dom nicht mehr stattfinden dürfen.

Selbst Barack Messias Obama muss eigenfüßig die verschiedensten Washingtoner Kirchengemeinden abklappern. Baptisten, Anglikaner, Methodisten oder Links-Evangelikale: Wo ist der passende Gott zuhaus, der auch einem Befürworter von Abtreibung und Homo-„Ehen“ den himmlischen Segen erteilt?

Längst schon stellt man die Gretchen-Frage nicht mehr in der Stille verschwiegener Zweisamkeit. Sie schwirrt mittlerweile nur so durch den Raum. Selbst die postchristlich abgebrühten Berliner müssen jetzt per Volksentscheid darüber befinden, ob im Schulunterricht wieder von Gott und Religion gesprochen werden soll. Die Antwort der Atheisten wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Entscheidungsschlacht um den lieben Gott hat gerade erst begonnen.

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