Nepal in höchster Not

Dem Rekord-Erdbeben folgen mehrere Nachbeben und eine Welle der internationalen Solidarität – Auch China und Indien sind betroffen
Foto: dpa | Die Erdbebenopfer in Nepal müssen dringend mit dem Nötigsten versorgt werden.
Foto: dpa | Die Erdbebenopfer in Nepal müssen dringend mit dem Nötigsten versorgt werden.

Kathmandu/Berlin/Rom (DT/dpa/KNA) In den entlegenen Erdbebengebieten des Himalaya kommen die Retter nach der Katastrophe mit mindestens 3 900 Toten nur schwer voran. Hilfsorganisationen berichten, dass Erdrutsche und armbreite Risse viele Straßen des bergigen Landes unpassierbar machen. Einzelne Flugzeuge mit Hilfsgütern mussten umkehren, weil der einzige internationale Flughafen Nepals überlastet war. Selbst in der Hauptstadt Kathmandu gab es kaum Strom und Benzin. Das nepalesische Innenministerium gab die Zahl der bestätigten Toten am Montag mit 3 837 allein im eigenen Land an. Nach Regierungsangaben sollten am Montag massenhaft Leichen verbrannt werden, um Seuchen zu verhindern. In Indien starben 62 Menschen, in China mindestens 20 Menschen. Das Erdbeben der Stärke 7,8 am Samstag war das stärkste in Nepal seit mehr als 80 Jahren.

Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Der frühere Premierminister Baburam Bhattarai flog zum Epizentrum des Bebens in seine Heimatregion Gorkha. Zu einem Bild, das ein komplett zerstörtes Dorf an einem Hang zeigt, schrieb er auf Twitter: „Noch keine Rettungs- und Hilfsaktionen in entlegenen Bergdörfern! Sendet sofort kleine Helikopter mit Hilfsgütern.“ Nepal ist ein armes Land, das nur über sechs Hubschrauber verfügt, hinzu kommen 20 private. Indien schickte 16 Helikopter zur Hilfe ins Nachbarland. „In dem bergigen Land ist der Transport von Gütern immer eine Herausforderung, auch wenn es kein Erdbeben gibt“, sagte Unni Krishnan, Katastrophenteam-Chef der Hilfsorganisation Plan. Klar sei bislang nur, dass tausende Häuser zerstört seien, aber nicht, wo genau wie viele. „Deswegen ist es nicht möglich, Hilfspakete aus der Luft abzuwerfen“, sagte er. Das wichtigste sei es nun, die Menschen mit Zelten und Licht wie etwa Solarlampen zu versorgen. Unterdessen erschütterten weitere Nachbeben die Erde im Katastrophengebiet. Die Menschen trauen sich aus Angst vor weiteren Einstürzen nicht in ihre Häuser zurück. Zahlreiche Parks und öffentliche Plätze in Kathmandu glichen Zeltstädten. Hunderttausende schlafen im Freien.

Premierminister Sushil Koirala appellierte an seine Landsleute, alle Läden und Apotheken offen zu halten, um die Versorgung sicherzustellen. Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer. Indien war besonders aktiv: 400 Tonnen Material seien eingetroffen, teilte die indische Botschaft in Nepal mit. Eine Maschine der Luftwaffe habe aber wegen „Überlastung“ des Flughafens umdrehen müssen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi. Deswegen würden nun alle Maschinen neu getimt. Auch Deutschland schickte Experten. Die Krankenhäuser sind heillos überfüllt, Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Viele Verletzte müssen auf der Straße versorgt werden. Die Regierung rief die Bürger am Montag zu Blutspenden auf. Das Tourismusministerium versicherte, ein Fokus der Hilfskräfte sei es, festsitzende Urlauber in Sicherheit zu bringen. Allein aus dem Basislager am Mount Everest seien 82 Menschen ausgeflogen worden.

Die EU-Kommission versprach Nepal drei Millionen Euro Soforthilfe. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfe-Lieferungen benötigt, so der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Die Asiatische Entwicklungsbank versprach drei Millionen US-Dollar für Zelte, Medikamente und Trinkwasser. „Wir versuchen Telefonleitungen zu reparieren und Strom wiederherzustellen“, sagte Nepals Kommunikationsminister Minendra Rizal.

Papst Franziskus sicherte den Opfern und ihren Angehörigen seine Solidarität und Nähe zu. „Ich bete für die Opfer, für die Verletzten und für alle, die unter diesem Unglück leiden müssen“, sagte er beim Angelus-Gebet am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom. Er appellierte an die Welt, den Opfern Hilfe und Solidarität zukommen zu lassen. Die Italienische Bischofskonferenz hat drei Millionen Euro als humanitäre Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Nepal bereitgestellt. Wie die Bischofskonferenz am Montag mitteilte, soll das Geld über den vatikanischen Nuntius in dem Land, Erzbischof Salvatore Pennacchio, verteilt werden.

Auch Hilfswerke versuchen nun, Nothilfe nach Nepal zu bringen. Kathmandu sei wie „eine Mausefalle, die von außen nur schwer zu versorgen ist“, klagte der Nepal-Länderkoordinator von Caritas International, Peter Seidel, am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Es sei besonders wichtig, mit den Leuten zu klären, was sie konkret an Hilfe brauchten, und sie an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Die Bundesregierung hat 2,5 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Caritas international hatte am Samstag 100 000 Euro Nothilfe zugesagt. Auch das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ hat 100 000 Euro für Soforthilfemaßnahmen bereitgestellt. Mit dem Geld sollen vor allem sauberes Trinkwasser, Decken und Kleidung finanziert werden, teilte das Hilfswerk in Osnabrück mit. Das Deutsche Rote Kreuz kündigte an, am Montagabend einen Hilfsflug mit 60 Tonnen Hilfsgütern nach Nepal zu starten. Darunter seien Familienzelte, Decken, Hygienepakete, Küchensets und Wasserkanister. Außerdem werde eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerkes transportiert.

Auch der Malteser Hilfsdienst bereitet den Transport von mehr als einer halben Tonne Medikamente vor. Das Material kann den Angaben zufolge zur medizinischen Versorgung von 10 000 Menschen für drei Monate eingesetzt werden. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children beklagte, dass die Krankenhäuser in Nepal vollkommen überlastet seien oder nur noch zum Teil funktionsfähig. Es werde dringend mehr medizinische Ausrüstung benötigt.

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