Nein zum Adoptionsrecht für homosexuelle Paare

Italien: Im Streit um Homo-Partnerschaften ein starkes Wort von Papst Franziskus zu der „von Gott gewollten Familie“. Von Guido Horst
Foto: dpa | Nicht nur in Neapel wurde am Samstag für mehr „Homo-Rechte“ demonstriert.
Foto: dpa | Nicht nur in Neapel wurde am Samstag für mehr „Homo-Rechte“ demonstriert.

Insgesamt eine Million Leute auf zentralen Plätzen von 98 italienischen Städten und Kommunen: Am vergangenen Samstag hat die Regenbogen-Bewegung mobil gemacht. Ob in Genua oder Florenz, Parma oder Rom, Neapel und anderen Städten und Gemeinden des Stiefelstaats waren Demonstrationen angesagt. Fahnen in Regenbogenfarben, schwule Paare, viel Musik und der Haupt-Slogan auf zahllosen Fahnen: „Ein Recht für die Liebe“. Und das Motto des Tages: „Italien wach auf“. Viele hatten Wecker mitgebracht und ließen sie fleißig klingeln.

Ob da am Samstag wirklich eine Million Menschen zusammengekommen waren, wie die Medien behaupten, wird niemand überprüfen können. Aber eine große Menge war es schon, die da aufmarschiert ist. Denn eine – in Italien bisher nicht existierende – gesetzliche Regelung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist jetzt das innenpolitische Thema Nummer eins: Im Februar muss das italienische Parlament entscheiden. Und am kommenden Samstag findet in Rom die Großveranstaltung der Anti-Regenbogen-Leute statt, der traditionelle „Family Day“, bei dem auch wieder eine Million den Platz vor der Lateran-Basilika füllen könnte. Dieser „Familiy Day“ wird von Laien, Familienorganisationen, auch katholischen Verbänden und einzelnen Pfarrgruppen getragen, eine Veranstaltung der Kirche ist sie nicht. Früher haben sich Silvio Berlusconis politische Formationen dort sehr stark blicken lassen, heute ist von dieser Bewegung, die auf die „Forza Italia“ zusammengeschrumpft ist, nicht mehr viel zu sehen.

Genau letzteres, also die Vermischung mit politischen Ambitionen, hat die katholische Kirche des Landes beim „Family Day“ immer vorsichtig auftreten lassen. Aber trotzdem: Die Kirche ist in allen diesen Fragen, die mit Ehe, Familien und Homo-Rechten zu tun haben, eine Stimme, die immer sehr stark wahrgenommen wird. Und so war es Papst Franziskus, der mit einem Satz, gesprochen einen Tag vor den „Regenbogen-Demonstrationen“, in die Schlagzeilen geriet: Bei der Ansprache zur Eröffnung des Gerichtsjahrs des Vatikangerichts der Rota Romana sagte er, der zweijährige synodale Prozess zu Ehe und Familie habe eine vertiefte Unterscheidung erlaubt, dank derer „die Kirche der Welt gezeigt hat, dass es keine Verwirrung zwischen der von Gott gewollten Familie und jeder anderen Art von Verbindung (zwischen zwei Menschen, A.d.R.) geben darf“. Und in seinen Worten vor der Rota Romana (die auch aus anderen Gründen wichtig war – siehe Seite 5) zitierte Franziskus Papst Pius XI., der in „Casti connubii“ unterstrichen hatte, dass die auf der unauflöslichen Ehe gegründete und auf Fortpflanzung ausgerichtete Familie zum „Traum“ Gottes und seiner Kirche für das Heil der Menschheit gehöre.

Diese Bemerkungen von Franziskus genügten, um den Papst voll und ganz in die Debatten auf den Straßen und Plätzen und dann in den Medien hineinzuziehen. Doch noch müsste sich der eigentliche kirchliche Verhandlungspartner des Staats vor dem „Familiy Day“ nochmals zu Wort melden: Die Italienische Bischofskonferenz. Deren Vorsitzender, Kardinal Angelo Bagnasco, hatte in der letzten Woche einen Termin bei Papst Franziskus, der aber kurzfristig abgesagt wurde. Offen ist von kirchlicher Seite eine abgestimmte, mit dem Papst abgesprochene und dann klar und deutlich vorgetragene Stellungnahme zu der Hauptfrage, auf die sich der öffentliche Homo-Streit in diesen Wochen zugespitzt hat: Dürfen gleichgeschlechtliche Paare Kinder, zum Beispiel des jeweiligen Partners, adoptieren? Darf ein männliches Homo-Paar sich über eine Leihmutter im Ausland Nachwuchs zulegen? Hier votiert die Kirche eindeutig mit Nein – aber sie müsste das nochmals klar sagen. Viele in der Reihe der Bischöfe könnten sich die so genannten „Unioni civili“ (Zivil-Unionen) vorstellen, die nach dem deutschen Modell der eingetragenen Lebenspartnerschaften homosexuellen Paaren gewisse Rechte zusprechen. Doch der in der Partei und Regierung von Ministerpräsident erarbeitete Gesetzesentwurf sieht auch das Adaptionsrecht vor. Und da geht die Linie der Ablehner und Befürworter quer durch die Regierungspartei, den „Partito democratico“ von Renzi, auch die „Forza Italia“ Berlusconis ist da gespalten. Die „Lega Nord“ ist gegen diese Adoptionen, die „Bewegung der 5 Sterne“ des Polit-Komikers Beppe Grillo dafür. Also eine Patt-Situation, in der das Wort der Kirche ein hohes Gewicht haben könnte. Nur eines deutet sich schon an: Wenn der Februar mit der Parlamentsdebatte über die „Unioni civili“ und einer entsprechen Abstimmung vorüber ist, wird auch Italien als letztes großes EU-Land eine Eintragung von gleichgeschlechtlichen Paaren erhalten.

Ein Ausgang wie in Irland mit einer klaren Homo-„Ehe“ wird es im Stiefelstaat nicht geben. Dafür ist das Gewicht der Kirche zu stark. Am Kinderadoptionsrecht für solche Paare werden sich aber noch manche Geister scheiden. Und die Kirche Italiens wird sich in dieser Woche nochmals unmissverständlich erklären müssen.

Themen & Autoren

Kirche