Merkels bayerische Karten

Ist Angela Merkel wirklich so unglücklich über die Folgen der bayerischen Landtagswahlen? Wer genauer hinschaut, könnte hinter ihrem beherrschten öffentlichen Auftreten durchaus einen Moment das Zucken einer Zockermiene wahrnehmen.

Wenn nämlich Angela Merkel jetzt die bayerischen Karten in ihrer Hand betrachtet, wird sie ihr Blatt gar nicht so schlecht finden, um im Machtpoker Eindruck zu machen. Die Mitspieler von SPD, Grünen und Linkspartei können jetzt weniger als zuvor wissen, ob die höchste Dame der CDU nicht doch einen Royal Flush, also das höchste Blatt im Poker, auf den Tisch legen kann – sprich: ob bei der Bundestagswahl 2009 eine Koalition aus Christdemokraten, Christsozialen und Freidemokraten nicht doch alle anderen Farbenspiele aussticht.

Denn in Bayern scheint alles auf eine CSU/FDP-Koalition hinauszulaufen. Und sollte diese Koalition gut laufen, so Angela Merkels Kalkül für den Rest diesen und kommenden Jahres, dann ließe sich überall in Deutschland zwischen Mittenwald und Mittwaida der politischen Mitte schmackhaft machen, wie wunderbar sich harte, konservative Politik, mit der bundesweit die CSU ja entgegen mancher Tatsächlichkeit doch immer noch verbunden wird, und liberale Politik, die jeden nach seiner eigenen Fasson selig werden lässt, und für die die FDP steht, miteinander vertragen.

Zusätzlich könnte Angela Merkel spekulieren, dass bei einer Bundestagswahl diejenigen bürgerlichen Wähler, die im Freistaat in erster Linie zu den Freien Wählern gewechselt sind, bei einer Bundestagswahl im Grunde ihres Herzens doch der CSU zuneigen, ehe sie ihre Stimme der SPD, den Grünen oder der Linkspartei geben – und so im Bund die Verluste der CSU nicht in dem Maße dramatisch ausfallen, dass sie eine erneute Kanzlerschaft der Kanzlerin gefährden.

Angela Merkel pokert hoch, und München pokert mit, denn auch die CSU spekuliert – dass sie nämlich für eine Koalition mit der FDP von der Union einen höheren Einsatz in Berlin kassieren kann als für eine Koalition mit den bundesweit unbedeutenden freien Wählern. sei

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