Luftnummer

Die Lösung aller Strukturreformen: Bistum kauft aufblasbare Kirche

Von Gabriele Gräfin Plettenberg

Der weltweite Finanzcrash macht erhebliche Sorgen und das Spektakel um die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika war ganz großes Kino, lenkte aber nur für Stunden vom trostlosen hessischen Politkrimi ab. Da ist es gut zu hören, dass es wenigstens mit unserer Kirche wieder bergauf geht. Nachdem im Bistum Essen nahezu hundert Kirchen geschlossen, verkauft oder umgewidmet werden sollen, weil sie offensichtlich niemand mehr braucht, kommt jetzt die gute Nachricht: Das Bistum Essen schafft sich eine aufblasbare Kirche für 30 000 Euro an. Auf dem Weihnachtsmarkt soll sie erstmals zum Einsatz kommen, später dann in der Kinder- und Jugendarbeit. „Wir wollen mit der Kirche dahin gehen, wo Kirche sonst nicht ist, wie zum Beispiel auf Schulhöfen oder in Fußgängerzonen“, so der Leiter der Kinder- und Jugendarbeit im Bistum.

In einem Versandhauskatalog ist diese erste aufblasbare Kirche der Welt zu bewundern. Unter der Bestellnummer 21 8498 26 kann man sie für 31 500 Euro erwerben. Sie ist rosa-grau, 15 Meter hoch, 15 Meter lang und 8 Meter breit und in weniger als drei Stunden prall mit Luft gefüllt. Sie hat Platz für 60 stehende Personen. Orgel, Altar, Kerzen und Altarkreuz werden mitgeliefert, ebenfalls aufblasbar. Die Botschaft des aufblasbaren Gotteshauses lautet: „Kirche ist weder langweilig noch alltagsfern, sondern modern und mittendrin in Ihrem Garten.“

Das kann sich heute wohl niemand mehr leisten. Aber für die Kirche scheint das die Lösung: In der so strittigen Strukturreform könnte man diese christliche Hüpfburg überall einsetzen. Vielleicht werden dann Gottesdienst-Besucher nach der Messe mit prall gefüllten Luftballons ihren speziellen Dank auf Kärtchen in den Himmel schicken.

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