Leitartikel: Kubas Kreuzweg

Von Markus Reder
Leitartikel: Die Unruhe wächst

Welche konkreten Folgen diese Papstreise für das vom Kommunismus gemarterte Kuba hat, wird man erst aus der Distanz von Jahren beurteilen können. So viel lässt sich aber jetzt schon sagen: Dies war eine historische Reise. Und das nicht nur wegen der Bilder, die um die Welt gingen. Kuba war eine heikle Mission. Die Gefahr, dass das Regime den Besuch für seine Zwecke instrumentalisiert, war allgegenwärtig. Und von Inszenierungen hat der Kommunismus immer schon mehr verstanden als vom Menschen. Öffentlich von voller Religionsfreiheit sprechen und zugleich „ideologische Säuberungen“ und Verhaftungswellen veranlassen, wie dies im Zusammenhang mit dem Papstbesuch geschah, zeigt die Brutalität und Verlogenheit des kubanischen Regimes.

Dass dieser Besuch nicht zu vereinnahmen war, verdankt sich der unmissverständlichen Botschaft des Heiligen Vaters. Benedikt zögerte nicht, Menschenrechte und Religionsfreiheit offen einzufordern. Er drängte auf mehr Freiheit für die Kirche und sprach auch die verhafteten Dissidenten an. Er tat es auf seine Weise. Mal direkt wie am Flughafen von Santiago, mal als er diese Anliegen der „Barmherzigen Jungfrau von El Cobre“ empfahl. So oder so: Die Botschaft war klar und unüberhörbar. Ebenso wie die Kapitalismuskritik des Papstes, die er von Kuba aus in die westliche Welt sandte. Hinter den wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehe eine „tiefe geistige und moralische Krise“, die den Menschen ohne Werte zurücklasse und ihn anfällig für gefährliche Manipulationen mache, warnte der Papst.

Kommunismus wie Kapitalismus knechten den Menschen auf unterschiedliche Weise. Sie entfremden ihn von sich selbst und damit auch von Gott. Beiden Ideologien liegt ein falsches Menschenbild zugrunde. Die Folgen lassen sich besichtigen – im Kommunismus wie im Kapitalismus. Der christliche Glaube hat das Zeug, Systeme der Unterdrückung ins Wanken zu bringen. Nicht durch Gewalt und Revolution, sondern mit den „Waffen des Friedens“, von denen Benedikt in Kuba sprach. Vergebung ist stärker als Hass, Liebe geduldiger als der Eifer der Ideologen. Sicher, das Evangelium ist kein politisches Programm, aber es besitzt eine Sprengkraft, die größer ist als die Waffenarsenale und Zwangsmaßnahmen von Guerillakämpfern und Revolutionären. Es hat die Macht, die Herzen zu verwandeln und den Verstand zu erleuchten. Kubas Kommunisten können weiter die Freiheit unterdrücken, Dissidenten einsperren, Kritiker knechten und ihr verlogenes Spiel mit Reformversprechen weitertreiben. Die Sehnsucht nach Freiheit, Würde und Gerechtigkeit, die in das Herz jedes Menschen geschrieben ist, lässt sich auf Dauer nicht unterdrücken. Diese Sehnsucht findet ihre Antwort letztlich in Jesus Christus. Das war die Herzmitte der Botschaft des Papstes. Die Erneuerung des Glaubens führt zur Erneuerung der Gesellschaft. Aus der lebendigen Begegnung mit Christus wächst die Kraft und der Mut für den Aufbau einer erneuerten und menschenwürdigen Gesellschaft. Kuba ist davon noch weit entfernt.

Wie eine angenehme Brise frischer Luft sei der Besuch Johannes Pauls II. in Kuba gewesen, erinnerte Benedikt an die Reise seines Vorgängers. Ein Papstbesuch macht noch keinen „Wind of Change“. Wer das erwartet oder einfordert, sollte seinen Realitätssinn überprüfen. Aber der Windhauch der Freiheit war auch bei dieser Papstreise zu spüren. Das bläst ein kommunistisches System nicht über Nacht hinweg. Doch diese drei Tage der Hoffnung werden nachwirken. Kuba geht seinen Kreuzweg weiter. Der Papst trägt Kubas Kreuz mit – Ostern entgegen.

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