Leitartikel: Die Mitte von allem

Von Markus Reder
Foto: DT | Markus Reder.
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Eben noch haben wir den vom Maya-Kalender prognostizierten Weltuntergang überlebt. Schon droht neues Ungemach. Das Jahr 2013 beschert Psychologen und solchen, die sich dafür halten, verschärften Beratungsbedarf – der „13“ wegen. „Triskaidekaphobie“ nennen Experten die Angst vor der 13. Astrologen, professionelle Bleigießer und was es sonst noch an Zukunftsoraklern gibt, reiben sich da die Hände. Christen kann der ganze Quatsch kalt lassen. Sie wissen sich getragen von der Liebe Gottes – gestern, heute und morgen.

Für Katholiken bilden die Jahre 2012 und 2013 ohnehin eine Einheit. Das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene „Jahr des Glaubens“ überspringt die Kalendergrenze. Zum Glaubensjahr passend gibt es in Deutschland 2013 ein besonderes Ereignis: Vom 5. bis 9. Juni lädt die Deutsche Bischofskonferenz zum Eucharistischen Kongress nach Köln ein. Die „Tagespost“ nimmt das zum Anlass, in ihrem Silvester-Forum (Seiten 21 bis 28) das Thema Eucharistie in den Mittelpunkt zu stellen. Unsere Sonderseiten sind nur ein Auftakt, das zentrale Geheimnis des Glaubens erneut in den Blick zu nehmen. Weitere Beiträge werden folgen.

Die Wirksamkeit eines Eucharistischen Kongresses hängt maßgeblich auch von der geistlichen und katechetischen Vorbereitung ab. Die kann nicht zwei Tage vorher beginnen. Darum ist es wichtig, jetzt damit anzufangen. Köln bereitet sich seit längerem auf ein großes Fest des Glaubens vor. Seit dem ersten Adventssonntag ist die Monstranz des Eucharistischen Weltkongresses, der 1960 in München stattfand, auf einer Reise durch die deutschen Diözesen, um auf den Kongress im kommenden Jahr einzustimmen. Da und dort gibt es bereits verschiedene Initiativen. Im Bistum Eichstätt etwa ist eine hilfreiche theologische, katechetische und liturgische Handreichung zur Vorbereitung auf den Eucharistischen Kongress erschienen, die man auf den Internet-Seiten des Bistums kostenlos herunterladen kann.

Beim Eucharistischen Kongress geht es nicht um ein bisschen andächtigen Eventkatholizismus für die Frommen. Das wäre eine geradezu boshafte Verzerrung. Es geht um mehr, um viel mehr. Es geht um die eine ganz grundsätzliche und entscheidende Lebens-, ja Überlebensfrage der Kirche: Wie ernst nehmen wir Jesus Christus, der in der Eucharistie bleibend gegenwärtig ist? Ist er die lebendige Mitte, um die sich alles dreht, von der aus es die Kirche zu den Menschen drängt, um die menschgewordene Liebe Gottes zu verkünden? Oder ist da nur noch die Akte Jesus, die im Behördenapparat Kirche verwaltet wird wie manch anderes auch? An der Antwort auf diese Frage entscheidet sich, ob tatsächlich ein Aufbruch, ob Erneuerung gelingt.

Jesus Christus in der Eucharistie, das ist nicht irgendein kirchliches Thema neben vielen anderen. Christus in der Eucharistie: Das ist die Mitte von allem. Hier ist er wirklich gegenwärtig. Heute wie vor 2 000 Jahren. Jeder kirchliche Dialog, der an ihm vorbeigeht, scheitert zwangsläufig. Die Schlüssel der Tabernakel sind die Schlüssel, die die Türen der Erneuerung aufschließen. Gelingt kein Bewusstseinsschub, der das wieder in die Herzen bringt, wird das Geheimnis des Glaubens weiter verblassen und sich die Krise der Kirche in unseren Breiten weiter verschärfen. Um dem entgegenzuwirken, hat Papst Benedikt XVI. das „Jahr des Glaubens“ ausgerufen. Dieses Glaubensjahr ist ein entscheidendes Jahr. Es ruft jeden Einzelnen zur Entscheidung. Denn die Verlebendigung des Glaubens und die Erneuerung der Kirche beginnt nie beim anderen, sondern immer bei einem selbst.

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