Lehre aus der Lidl-Affäre

Die Gewerkschaft Ver.di bezeichnet die Vorgänge beim Discounter Lidl als „eine Schweinerei sondergleichen“. Das ist zwar kein juristisch definierter Tatbestand, trifft aber das Volksempfinden. Und das wird der Discounter spüren. Denn die bekannten aber von Teilen der Presse jetzt erneut präsentierten Methoden der Personalführung bei Lidl sind dazu angetan, die Hüter des Ladens demnächst zu Verwaltern von Ladenhütern zu machen. Wer jetzt bei Lidl kauft, kommt in den Geruch, solche Methoden zu unterstützen.

Keine Frage: Die Vorwürfe müssen geklärt werden. Solange aber noch keine Beweise vorliegen, gilt die Unschuldsvermutung, auch für Manager. Soweit die juristische Seite der Affäre. Die wirtschaftliche Seite lässt sich davon nicht beeindrucken. Die Zahlen werden einbrechen und es wird lange dauern, bis das Unternehmen nicht nur angenehme Preise, sondern auch wieder einen annehmbaren Ruf hat. Klammheimlich reibt sich die Konkurrenz die Hände.

Eines könnten Manager auch anderer Branchen daraus lernen: Der gute Ruf – bei Ökonomen spricht man eher vom sozialen Prestige – ist eine Größe, die sich rechnet. Er hängt mit Menschlichkeit, mit einem Mindestmaß an Vertrauen und Achtung vor der Würde des Einzelnen zusammen. „Von allen Gütern dieser Welt ist der gute Ruf das wichtigste“, meinte der Moralist Franz von Sales einmal. Der Satz gilt auch heute und zwar auch für die Wirtschaft. Manche Geschäftemacher mögen auf Moral und Würde nicht viel geben. Sie werden auf Dauer auf ihren Gütern sitzenbleiben. Denn die Empörung über den Fall Lidl zeigt, dass der Markt trotz Geiz und Geld in unserer vom ökonomischen Primat geprägten Welt nicht alles ist. Es gibt noch ein Bewusstsein von Anstand, Würde und Ehre. Und das hat, Gott sei Dank, keinen Preis. lim

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