Krise bei Maltesern ist eskaliert

Nach Ausschluss von Großkanzler Boeselager: Papst Franziskus verlangt von Großmeister Festing den Rücktritt. Von Guido Horst
Foto: dpa | Nach der vatikanischen Untersuchung verlangte der Papst seinen Rücktritt, und Großmeister Festing gab sein Amt auf.

Rom (DT) Die Krise im Souveränen Malteserorden hat sich ausgeweitet. Großmeister Fra' Matthew Festing tritt von seinem Amt zurück, nachdem ihn Papst Franziskus am Dienstag bei einer Privataudienz um diesen Schritt gebeten hat. Der Vatikan hatte sich in die Ordenskrise eingeschaltet, nachdem der Großmeister den Großkanzler, Albrecht Freiherr von Boeselager, vor Weihnachten aus dem Orden hatte entfernen lassen und ihn von allen Ordensämtern entbunden hat (siehe DT vom 21. Januar). Boeselager erklärte daraufhin, die Amtsenthebung entbehre „jeder rechtlichen Grundlage“.

Mitte Januar reichte er vor dem zuständigen ordensinternen Magistral-Gericht Einspruch gegen seinen Amtsverlust und seinen Ausschluss aus dem Orden ein. Der Papst setzte noch im Dezember eine vatikanische Untersuchungskommission zu dem Vorgang ein. Festing sprach diesem Gremium öffentlich die Legitimation ab und verweigerte eine Zusammenarbeit. Er berief sich dabei auf den Status des Malteserordens als eigenständiges Völkerrechtssubjekt. Die römische Zentrale des Malteserordens bestätigte gestern, dass der Papst Festing zum Rücktritt aufgefordert habe. Zuvor hatte Franziskus den Bericht der von ihm eingesetzten fünfköpfigen Untersuchungskommission erhalten. Offiziell gültig sei der Rücktritt erst, wenn der Rat des Ordens den Amtsverzicht annehme, sagte eine Sprecherin des Ordens auf Anfrage. Dies sei jedoch nur noch eine Formalie.

Der am 30. November 1949 im englischen Swinburne Castle geborene Festing war im März 2008 auf Lebenszeit zum 79. Großmeister des Malteserordens gewählt worden. Nach Angaben des vatikannahen Nachrichtenportals „Il Sismografo“ übernimmt der Österreicher Ludwig Hoffmann-Rumerstein die interimistische Leitung des Ordens. Nach dem Rücktritt eines Großmeisters der Malteser tritt automatisch der Vize-Großmeister in dessen Funktion. Dieses Amt übt Hoffmann-Rumerstein seit Mai 2014 zum zweiten Mal aus; bereits von 1994 bis 2004 war er Vize-Großmeister. Hoffmann-Rumerstein studierte Rechtswissenschaften in Österreich und Philosophie an der Gregoriana. 1970 trat er in den Malteserorden ein und legte 1984 die ewigen Gelübde ab. Der Vatikan hat gestern mitgeteilt, dass mit der Ernennung eines päpstlichen Delegaten die interimistische Leitung Hoffmann-Rumersteins ende.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder geheißen, bei dem Streit zwischen Baron Boeselager auf der einen und Großmeister Festing sowie Kardinalpatron Raymond Burke auf der anderen Seite gehe es um die Verteilung von Kondomen, was bei Projekten von „Malteser International“ in Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen in Afrika und Asien der Fall gewesen sein soll. Boeselager habe davon gewusst. In einer persönlichen Stellungnahme vom 18. Dezember vergangenen Jahres erklärte der Baron dazu, der Kondom-Vorwurf sei einer der drei Gründe gewesen, wegen denen der Großmeister ihn am 6. Dezember 2016 zum Rücktritt aufgefordert habe. Es sei um „den Einsatz von Präservativen zur Aidsverhütung in einem Programm von Malteser International (MI) in Myanmar“ gegangen, schreibt Boeselager und stellt fest: „Es gab dort drei Programme, welche von den Landesverantwortlichen ohne Kenntnis der Zentrale aufgenommen worden waren und in deren Rahmen Präservative eingesetzt wurden. Nachdem die MI-interne Revision dies aufgedeckt hatte, wurden zwei der Programme sofort eingestellt. Die Einstellung des dritten Programms hätte zwangsläufig das Ende der Basisgesundheitsversorgung in einer sehr armen Region Myanmars bedeutet. Dieses Dilemma wurde zunächst einer Ethikkommission bei MI vorgelegt. Im weiteren Verlauf wurde das Projekt nach einer Stellungnahme der Glaubenskongregation eingestellt.“

Die beiden anderen Gründe für die Aufforderung zum Rücktritt seien zum einen gewesen, so Boeselager, dass „meine Entlassung einer Forderung des Heiligen Stuhls entspreche“. Diese Forderung habe aber nie existiert, so der Baron. Zum anderen sei ihm mangelnder Gehorsam vorgeworfen worden, „weil ich die Anweisung des Großmeisters, mein Amt niederzulegen, nicht Folge geleistet habe“. Jedoch gelte der versprochene Gehorsam nur im Rahmen der Verfassung, „ansonsten wäre der Willkür Tür und Tor geöffnet“. Für die Amtsenthebung eines Mitglieds der Ordensleitung gebe es „ein eigenes Verfahren, das vom Großmeister nicht unter der Berufung auf den Gehorsam umgangen werden kann“.

Ob der Ordensausschluss Boeselagers samt dessen Amtsenthebung nun mit dem Rücktritt des Großmeisters aufgehoben wird und der Baron nach Rom und in sein altes Amt zurückkehrt, ist ungewiss.

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